Serbische Regierungskritiker stürmen Staatssender

Oppositionspolitiker haben sich in Belgrad Zugang zu dem staatlichen Sender RTS verschafft. Sie werfen der Regierung eine zunehmend autokratische Politik vor.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, mp

Belgrad: Polizeieinsatz bei Protesten vor der Zentrale des serbischen Staatssenders RTS
Polizeieinsatz bei Protesten vor der Zentrale des serbischen Staatssenders RTS
© Oliver Bunic/AFP/Getty Images

Kritiker von Serbiens Staatschef Aleksandar Vučić haben den staatlichen Fernsehsender RTS gestürmt. Zu den Dutzenden Demonstranten, die sich am Samstag in Belgrad Zutritt zu dem Sender verschafften, zählten auch Oppositionspolitiker wie der frühere Belgrader Bürgermeister Dragan Đilas und Boško Obradović von der rechtsgerichteten Partei Dveri. Die Regierungskritiker forderten von dem Sender, sie zum Volk sprechen zu lassen.

Die Protestaktion war live im Fernsehen zu sehen. Der Privatsender N1 zeigte, wie ein Großaufgebot der Polizei die Demonstranten aus dem Sender fortbrachte. Innenminister Nebojša Stefanović verurteilte das Vorgehen der Demonstranten.

Zuvor hatten tausende Regierungskritiker friedlich im Zentrum von Belgrad demonstriert. Auch in anderen serbischen Städten fanden Kundgebungen statt. Die Demonstranten prangerten politische Einmischung in die Medienberichterstattung an und forderten die RTS-Führung zum Rücktritt auf.

Bereits seit dem 8. Dezember demonstriert die Opposition jeden Samstag gegen Vučić. Sie werfen dem Präsidenten vor, sich immer mehr zum Autokraten zu entwickeln. Den Staatssender RTS beschuldigen sie, in seiner Berichterstattung das Regierungslager zu bevorzugen und regierungskritisischen Standpunkten zu wenig Sendezeit einzuräumen. Auch die EU-Kommission hatte sich vergangenes Jahr besorgt über Einschränkungen der Pressefreiheit in Serbien durch Drohungen, Einschüchterungen und Gewalt gezeigt.