Essensgelder führen zu Unruhe im Schwyzer Asylwesen

SCHWYZ ⋅ Je nachdem, in welcher Gemeinde vorläufig Aufgenommene untergebracht sind, steht ihnen – zum Beispiel – mehr oder weniger Geld für auswärtige Verpflegung zur Verfügung. Weil dies zu Frustrationen führt, wird der Kanton nun aktiv.

Lena Berger

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Dieser rechtsstaatliche Grundsatz gilt selbstverständlich auch in der Schweiz. Und deshalb verstehen einige junge Ausländer im Kanton Schwyz die Welt nicht mehr.

Manche von ihnen fühlen sich ungerecht behandelt. Aus einem nachvollziehbaren Grund, wie alt Pfarrer Alois Späni aus Sattel findet. In seinem Elternhaus sind derzeit mehrere junge vorläufig aufgenommene Asylsuchende untergebracht. Späni steht mit ihnen in Kontakt – und kennt auch ihre Sorgen. «Einige von ihnen besuchen die Brückenangebote in Pfäffikon», erzählt der 82-Jährige. Sie lernen dort die Sprache, und ihnen werden die Bräuche und Sitten in der Schweiz näher gebracht. «Nun haben die Jugendlichen aber festgestellt, dass sie nicht gleich behandelt werden», sagt alt Pfarrer Späni. Sie hätten ihm berichtet, dass denjenigen, die in Sattel untergebracht seien, pro Tag fünf Franken für die Verpflegung zur Verfügung gestellt würden. Die Jugendlichen aus Arth hingegen bekämen acht Franken. «Das klingt für uns vielleicht nicht nach viel, aber die Betroffenen sehen das anders.»

In den Ferien stecken die Jugendlichen in Sattel fest

Zumal es auch Unterschiede bei der Übernahme der Fahrkosten gäbe. Diejenigen aus Sattel hätten ein Abo, das sie dazu berechtige, nur während der Schulzeit von Sattel nach Pfäffikon zu fahren. In den Ferien könnten sie ihre Gemeinde nicht verlassen.

In Arth aber bekämen die Jugendlichen ein Jahresabo, mit dem sie sich in Schwyz und Zug sowie auf dem Gebiet des Zürcher Verkehrsverbund jederzeit frei bewegen könnten. «Das ist ungerecht. Es müssten alle gleich behandelt werden», findet Pfarrer Späni. Den Jugendlichen müsse möglichst viel Bewegungsfreiheit zugestanden werden. «Sie sollen die Schweiz richtig kennen lernen und sich im Idealfall hier in Sportvereinen und Ähnlichem engagieren. Diese natürliche Art der Integration ist aber nur möglich, wenn sie auch selbstständig zu den Trainings fahren können.»

Markus Cott, Leiter der Fachstelle Integration Kanton Schwyz, kennt das Problem. «Es führt immer wieder zu Unmut unter den Jugendlichen, wenn sie das Gefühl haben, unterschiedlich behandelt zu werden», sagt er. Die Gemeinden hätten grosse Autonomie bei der Ausgestaltung der «situationsbedingten Leistungen». Das sind Unterstützungen, die unabhängig vom gesetzlich vorgeschriebenen Grundbedarf erbracht werden. Entsprechend würden diese unterschiedlich gehandhabt innerhalb des Kantons. So könne der Anschein der Willkür entstehen.«Der Vergleich von einzelnen Posten kann zu grossen Frustrationen führen», so Cott. Allerdings sind Vergleiche schwierig. So stimmt es zwar, dass den Jugendlichen aus Sattel weniger Geld für auswärtiges Essen bezahlt wird. Dafür erhalten sie für den Schulbesuch eine Integrationspauschale von 100 Franken – Geld, das diejenigen aus Arth nicht bekommen. Letztere müssen sich zudem mit einem monatlichen Betrag an den ÖV-Kosten beteiligen, was die Jugendlichen aus Sattel nicht müssen.

Praxis wird demnächst vereinheitlicht

«Unter dem Strich gleicht es sich wieder ungefähr aus, die Gemeinden zahlen alle in etwa gleich viel, wenn auch auf unterschiedliche Art. Das sehen die Betroffenen aber meist nicht», sagt Cott. Der Kanton will die Sache nun aktiv angehen. Man sei derzeit daran, zusammen mit den Gemeinden genauere Vorgaben zu erarbeiten. «Wir haben bereits gute Erfahrungen gemacht mit dem ‹Handbuch zur Sozialhilfe des Kantons Schwyz›. Dieses hat dazu beigetragen, die Sozialhilfepraxis innerhalb des Kantons anzugleichen.» Nun wolle man das Handbuch im Verlaufe des Jahres um ein Kapitel zum Asylwesen ergänzen. «Die neuen Richtlinien sollen die Gleichbehandlung sicherstellen und so unnötigen Diskussionen ein Ende setzen.»