Darum ist die Europa League besser als die Champions League


Sportredakteur Kim Patrick von Harling nennt fünf Punkte, weshalb die Europa League der bessere Europapokal ist.

Hamburg | Tottenham Hotspur gegen Borussia Dortmund, Manchester United gegen PSG oder das Duell zwischen Jürgen Klopps Liverpool mit Bundesliga-Rekordmeister Bayern München versprechen Fußball-Feste vom Feinsten. Namhafte Partien, zugegeben. Dennoch bin ich gesättigt von der Champions League.

So lief die Champions League am Mittwochabend

Denn die Kehrseite der Medaille sind Partien wie Schalke gegen Manchester City, Lyon gegen Barca oder Ajax Amsterdam gegen Real Madrid. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Diese Achtelfinal-Partien sind bereits entschieden, bevor sie überhaupt angepfiffen wurden – Langeweile pur. Letztlich sieht man immer die gleichen Teams in der Champions League, ein, zwei Ausnahmen sind die Regel und diese sind wegen der großen Dominanz der europäischen Top-Teams schnell von der Bildfläche verschwunden.

Da lobe ich mir doch die Europa League. Ja, sie haben richtig gelesen, ich bin ein glühender Anhänger des kleinen Bruders der Champions League. Spannende Partien, skurrile Ergebnisse und Mannschaften, von denen man zuvor selten bis nie etwas gehört hat. Fünf Gründe, weshalb die Europa League der bessere Europapokal ist:

Nostalgie pur

Der Celtic Park in Glasgow – Gänsehaut pur.

Der Celtic Park in Glasgow – Gänsehaut pur.

Hier, im Kaffeesatz des internationalen Fußballs, findet man noch die Mannschaften vergangener Tage. Teams, die früher mal ganz groß waren, die Kindheitserinnerungen hervorrufen. Celtic Glasgow, der Europapokalsieger der Landesmeister von 1967 im legendären Celtic Park. Lazio Rom, eine Institution in der Geschichte der UEFA und Sporting Lissabon, die fußballerische Heimat von Mega-Star Cristiano Ronaldo, sind noch im Wettbewerb um den Titel. Diese prestigeträchtigen Vereine finden in der Europa League ihre fußballerische Heimat. Ich möchte nicht von lebenden Fossilen sprechen, aber etwas Staub liegt schon auf den Wappen. Staub, den ich einatmen möchte.

Spannung der etwas anderen Art

Die Mannschaft von Dinamo Zagreb.

Die Mannschaft von Dinamo Zagreb.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie bekommen 50 Euro geschenkt. Diese müssen (!) Sie in den Wettschein für die Partie Viktoria Pilsen gegen Dinamo Zagreb investieren. Sie wissen nicht, auf welches Team Sie setzen sollen? Genau das macht doch den Reiz der Europa League aus. In der Sechszehntelrunde tummeln sich zahlreiche Duelle von Mannschaften, die sich auf Augenhöhe begegnen – Spannung garantiert.

Erdkunde-Unterricht

Schon mal in Aserbaidschan gewesen? Nicht? Hier eine Kostprobe vom Stadion in Baku.

Schon mal in Aserbaidschan gewesen? Nicht? Hier eine Kostprobe vom Stadion in Baku.

Man lernt nie aus, schon gar nicht als Sportredakteur. In jeder Europa-League-Saison lerne ich neue Städte Europas kennen. Anders ausgedrückt: Ich höre zum ersten Mal von ihnen. Mit Mannschaften wie Qarabag Agdam (Asberbaidschan), Akhisar Belediyespor (Türkei), FC Astana (Kasachstan), F91 Dudelange (Luxemburg), FK Jablonec (Tschechien) oder AEK Larnaka (Zypern) betrat ich in dieser Saison völliges Neuland. Duelle mit Beteiligung solcher Mannschaften sind mir mittlerweile lieber als das ewige Bayern München gegen Arsenal London.

Ein Traum für jeden Groundhopper

Das Stadion des norwegischen Vertreters Sarpsborg 08.

Das Stadion des norwegischen Vertreters Sarpsborg 08.

Die Europa League bietet entsprechend die Möglichkeit, eben jene Städte zu besuchen. Poltawa (Ukraine), Sarpsborg (Norwegen), Szekesfehervar (Ungarn) und Co. gehören sicherlich nicht zu den beliebtesten Reisezielen. Umso spannender ist es, solche Regionen im Rahmen der Europa League zu besuchen. Auf die Frage, was Sie in der vergangenen Woche so erlebt hätten, antworten Sie ihren Arbeitskollegen ganz lässig: “Ich war in Trnava”. Die Blicke der Kollegen – unbezahlbar.

Die “große Bühne” für die kleinen Teams

Ivan Trickovski markierte den 2:1-Siegtreffer für Larnaka gegen Zürich.

Ivan Trickovski markierte den 2:1-Siegtreffer für Larnaka gegen Zürich.

Die Champions-League-Hymne ertönt, Cristiano Ronaldo zwinkert in die Kamera und Jahr für Jahr stehen die selben Gesichter auf dem Platz. Für die hochdotierten Superstars des Fußballs ist die Königsklasse Routine. Um so schöner ist es zu sehen, wenn die kleinen Teams die europäische Bühne betreten. Wie stolz sie waren, die Luxemburger von F91 Dudelange, als sie nur 0:1 gegen den AC Milan verloren haben. Der Jubel bei AEK Larnaka war grenzenlos, als Ivan Trickovski den 2:1-Siegtreffer beim FC Zürich in der 85. Minute erzielte. Die Europa League erzählt noch die Geschichten von den Kleinen, die sich aufmachen, um den “Großen” die Stirn zu bieten. Es sind die Geschichten, die der Protagonist noch in 50 Jahren erzählen wird.




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