Vorsorge: Warum Sie alle Optionen ausloten sollten

Von Martin Spieler, 14. Januar 2019

Sichere Vorsorge: Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse sind nur eine von mehreren Optionen für die finanzielle Altersplanung. Meist lohnt sich eine umfassende Vorsorgeanalyse. Foto: Getty Images

Ich werde 62 Jahre alt und habe vor, bis 64 zu arbeiten. Ich möchte eine Rente beziehen. Ich bin 2012 wieder ins Berufsleben als Angestellte eingestiegen und arbeite 60 Prozent. Von der Pensionskasse kann ich eine monatliche Rente von rund 360 Franken erwarten. Die Pensionskassengelder früherer Arbeitgeber hatte ich mir aufgrund meiner damaligen Selbstständigkeit auszahlen lassen. Ich habe die Möglichkeit, mich bis knapp 100’000 Franken in die Pensionskasse einzukaufen. Das Ziel wäre, meine Rente auf 1000 Franken zu erhöhen. Soll ich freiwillig in die Pensionskasse einzahlen? R.W.

Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse haben einen doppelten Vorteil: Man spart noch im Erwerbsleben kräftig Steuern, weil man die Einzahlungen von den Steuern abziehen darf, und stärkt zusätzlich seine Vorsorge im Alter.

Empfehlenswert sind solche freiwillige Einzahlungen in die 2. Säule allerdings nur, wenn die Kasse solid aufgestellt ist und der Deckungsgrad nicht unter 100 Prozent liegt. Bei einem tiefen Deckungsgrad geht man das Risiko ein, dass man sich auch mit seinen freiwilligen Einzahlungen an einer möglichen späteren Sanierung beteiligen muss.

Sie schreiben mir, dass Ihre Kasse einen hohen Aktienanteil in der Anlagestrategie hat und Sie nach dem schlechten Anlagejahr 2018 befürchten, dass sich der Deckungsgrad verschlechtert hat. Das ist sehr gut möglich. Ich erwarte, dass wegen der negativen Börsenentwicklung der Deckungsgrad bei den meisten Kassen gesunken ist. Aufschluss darüber gibt Ihnen der Vorsorgeausweis Ihrer Kasse, den Sie in Kürze erhalten werden.

In Ihrem Fall bin ich mir nicht so sicher, ob für Sie die Rechnung mit der freiwilligen Einzahlung in die Pensionskasse wirklich aufgeht. Sie müssten wohl ziemlich viel Geld einschiessen, damit Sie tatsächlich auf eine monatliche Rente von 1000 Franken kommen, zumal Sie nur noch zwei Jahre arbeiten.

Da Sie keinen Kapitalbezug, sondern die Rente wünschen, sind die freiwilligen Einzahlungen wenigstens steuerlich kein Problem. Bevor Sie eine entsprechende Zahlung an die Pensionskasse vornehmen, würde ich mich über Ihre verschiedenen Optionen beraten lassen.

Einerseits würde ich direkt mit der Pensionskasse sprechen und mir ausrechnen lassen, wie viel Geld zusätzlich zu den Leistungen aufgrund Ihres Lohnes nötig wäre, damit Sie Ihr Rentenziel erreichen. Das kann Ihnen die Kasse einfach ausrechnen, da Sie alle nötigen Daten hat, die ich nicht kenne. Ich gehe davon aus, dass Sie nur im obligatorischen Teil versichert sind, womit der gesetzliche Umwandlungssatz von 6,8 Prozent zum Zuge käme, was positiv wäre. Die Berechnung der Pensionskasse gibt Ihnen Klarheit über den Kapitalbedarf.

Darüber hinaus würde ich mit Ihrer Bank oder Versicherung Ihre gesamte Vorsorgesituation im Detail anschauen. Anhand dieser Analyse sehen Sie, wie sich Ihre Altersvorsorge präsentiert, was genau Sie zu erwarten haben und welche anderen Optionen Sie neben den freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse noch haben.

Freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse haben zwar Pluspunkte, sind aber längst nicht in jedem Fall sinnvoll. Darum würde ich alle Optionen für Ihre Vorsorge ausloten.