Schneefälle in den Alpen – Disentis von der Umwelt abgeschnitten, keine

Auch in Tschechien führen Sturm und Schnee zu Verkehrsbehinderungen. Ein zwischen Prag und München verkehrender Fernreisezug prallte bei Domazlice (Taus) gegen einen umgestürzten Baum. Weder der Lokführer noch die Reisenden wurden bei der Notbremsung verletzt, wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte. Die Lokomotive wurde beschädigt. Unter der Schneelast stürzten zahlreiche Bäume um. Im Erzgebirge stellte die Feuerwehr die Räumarbeiten vorübergehend ein, weil sie als zu riskant eingeschätzt wurden. Aufgrund beschädigter Leitungen waren rund 15’000 Haushalte ohne Strom. Touristen wurden aufgerufen, nicht in höher gelegene Regionen der westlichen Verwaltungsregion Karlsbad (Karlovy Vary) zu fahren.

Die meisten Skipisten auf der tschechischen Seite des Erzgebirges blieben wegen des starken Windes geschlossen. Bozi Dar (Gottesgab), die höchstgelegene Stadt Tschechiens, war von der Aussenwelt abgeschlossen. Auch der Grenzübergang nach Oberwiesenthal sei nicht befahrbar, berichtete die Agentur CTK. Im bei Skitouristen ebenfalls beliebten Riesengebirge (Krkonose) herrschte laut der Bergwacht eine erhebliche Lawinengefahr. Auf der höchsten Erhebung des Mittelgebirges, der Schneekoppe (Snezka), wurden Windspitzen von bis zu 130 Kilometern pro Stunde gemessen.

Lawinengefahr herrscht auch im Kanton Uri. Betroffen ist vor allem das Urserental mit Andermatt, Hospental und Realp. Die Strassenzufahrt von Göschenen her durch die Schöllenen nach Andermatt ist gesperrt. Unterbrochen ist auch die Bahnverbindung nach Andermatt vom Wallis und Graubünden her und somit der Autoverlad ins Urserental. Gesperrt ist zudem die Strasse zwischen Hospental und Realp, auf der am Sonntag vier Fahrzeuge verschüttet worden waren.

Nach Angaben der Baudirektion Uri bleibt die Strasse zwischen Göschenen und Andermatt sicher bis am Dienstagmorgen nicht passierbar. Gleiches gilt für die Kantonsstrasse Amsteg-Göschenen sowie für die Verbindungen Gurtnellen-Wiler und Gurtnellen-Dorf. Gesperrt ist ferner die Strasse zwischen Wassen und Meien. Nicht betroffen ist die Autobahn 2, wohl aber die Gotthardbergstrecke der Eisenbahn. Auf dieser verkehren zwischen Erstfeld und Airolo keine Züge. Die Passagiere werden mit Ersatzbussen befördert.

Stefan Bucheli, verantwortlich für die Strassenräumungen im Kanton, ist zuversichtlich, dass sich die Lage in den kommenden Tagen beruhigen wird. Obwohl er grössere Schneemengen im Kanton gewöhnt ist, ist der Schnee dieses Jahr auffällig flächendeckend vorhanden. So reicht der Schneefall vom letzten Dorf in den Bergen bis zum See hinunter. «In den letzten Tagen sind viele Lawinen heruntergekommen, daher war die Sperrung der Strassen auch gerechtfertigt und stösst bei der Bevölkerung auf Verständnis», so Bucheli.

Sein Team werde die Situation zusammen mit der Lawinenzentrale Andermatt im Auge behalten und die Gefahr konstant neu beurteilen. Aktiv eingreifen könnten er und sein Team aber nur auf einer Strecke im Kanton: Zwischen Hospental und Realp gibt es ein vorbereitetes Sprengkonzept. Sollte dies zum Einsatz kommen, wird sein Team von einem Helikopter aus die Sprengung von Lawinen auslösen.

Für die übrigen Strassenabschnitte heisst es Abwarten. Sobald Entwarnung gegeben wird und die Mitarbeiter der Strassenräumung sicher ihrer Arbeit nachgehen können, wird mit der Räumung begonnen. Mit einer wirklichen Entspannung der Lage rechnet Bucheli in den kommenden Tagen, wenn die Niederschlagsmenge zurückgeht. «Spätestens ab Mittwoch sollte sich die Situation beruhigt haben», so Bucheli.

Was bedeuten die Schneemengen für die Wintersportler? Wenn sie ihr Skigebiet erreichen sollten und die Zufahrtsstrassen nicht gesperrt sind, dürfte ihnen ein tolles Skierlebnis sicher sein. Der CEO der Andermatt-Sedrun Sport AG, Silvio Schmid, zeigt sich jedenfalls gelassen. Der Schneefall sei in der Region nicht ungewöhnlich und die Sicherheit vor Ort könne sein Team gewährleisten. «Das Problem ist im Moment nicht die Pistensicherung, sondern es sind die Zufahrtsstrassen, die geschlossen sind: von Chur aus nach Sedrun und vom Unterland/Schöllenen nach Andermatt.» Aber auch hier soll es am Dienstag, spätestens am Mittwoch, zur Entlastung kommen und die Strassen sollenen wieder frei sein, so Schmid.

Allgemein sei der Schneefall dieses Jahr nicht so schlimm wie 2018, sagt Schmid. Mit der heutigen Infrastruktur und Ausstattung sei man zudem gut ausgerüstet. «Als ich Kind war, gab es Situationen, da waren wir hier eingeschneit und der Strom hat nicht mehr funktioniert. Das ist dann schon unheimlich, wenn man tagelang kein Licht hat und keinen Strom zum Kochen», sagt Schmid, der seit über 60 Jahren in der Region zu Hause ist. Um der Schneemassen Herr zu werden und die Pisten für die Wintersportler zu präparieren, sprengen Schmid und sein Team in Pistennähe die Lawinen. In einer Wintersaison in der «SkiArena Andermatt-Sedrun» finden laut Schmid rund 1600 bis 1800 Lawinensprengungen statt. Dabei werden – abhängig von den Witterungsverhältnissen, den Schneemengen sowie Wind und Sturm – rund 4000 bis 7000 Kilogramm Sprengstoff benötigt.

Leichte Entspannung auf dem Bündner Schienennetz: Die Rhätische Bahn (RhB) fährt wieder durchs Prättigau nach Davos. Erste durchgehende Züge von Landquart über Klosters nach Davos verkehrten ab Mitte Nachmittag, wie die RhB mitteilte. Zuvor war die Strecke auf dem Abschnitt zwischen Klosters und Davos gesperrt. Bis auf weiteres geschlossen bleibt der Abschnitt von Davos ins Albulatal nach Filisur, wie die Bahn mitteilte. Das gleiche trifft auf die Bahn von Chur nach Arosa zu.

Wegen Lawinengefahr nach wie vor kein Durchkommen gab es nach Disentis. Die RhB kann dort keinen Ersatz anbieten, da die Strasse ebenfalls geschlossen ist, und das Dorf im Bündner Oberland somit vorerst von der Umwelt abgeschnitten blieb. Weil in Disentis die höchste Lawinengefahr (Stufe 5) herrscht, wurden zudem die Loipen und auch die Schneeschuh- und Wanderwege aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Noch nicht erreichbar war am Montagnachmittag das Engadin via Albulatunnel. Im Unterengadin blieb die Strecke zwischen Cinuos-chel-Brail und Sagliains wegen Lawinengefahr gesperrt. Weil die Engadinerstrasse ebenfalls geschlossen wurde, bestand keine Verbindung zwischen dem Ober- und dem Unterengadin.

Die gebietsweise riesigen Schneemengen führten zudem zur Schliessung des Julierpasses zwischen Bivio und Silvaplana. Das Oberengadin war damit auf der Strasse von Norden her nicht erreichbar. Die Kantonsstrassen nach Arosa und Lenzerheide durften nur mit Schneeketten befahren werden, ebenfalls der Wolfgangpass nach Davos. Ausserdem aus Sicherheitsgründen gesperrt waren die Ofenpassstrasse sowie die Strasse nach Samnaun. Praktisch in ganz Graubünden verriegelt wurde wegen der Lawinengefahr eine grössere Zahl von Seitentälern.

Auf der Schwägalp sind die Lawinen-Räumungsarbeiten wegen anhaltender Schneefälle und Orkanböen aus Sicherheitsgründen unterbrochen worden. Die Zufahrtsstrasse ab der Passhöhe bleibt wegen Lawinengefahr gesperrt. Bis zum Stopp der Arbeiten sei der Lawinenkegel rund um die Schwägalp bereits geräumt worden. Die betroffenen Räume des Hotels und des Restaurants seien innert Rekordzeit von den Schneemassen befreit und gereinigt worden, teilte die Säntis-Schwebebahn AG mit. Die eingedrückten Fensterfronten wurden provisorisch verschlossen.

Beim Abgang einer riesigen Lawine vom Säntis-Nordhang auf die Schwägalp waren am Donnerstagnachmittag drei Personen leicht verletzt worden. Das 2015 neu gebaute Hotel bei der Säntisbahn-Talstation und zahlreiche parkierte Autos wurden beschädigt.

Das Hotel bleibt vorerst geschlossen. Einzelne Anlässe und Tagungen mussten abgesagt, Buchungen storniert werden. Wann der Hotel- und Tagungsbetrieb wieder aufgenommen wird, hängt vom Wetter ab. Die Säntis-Schwebebahn steht wegen ordentlicher Revisionsarbeiten bis zum 2. Februar still.

Fast die Hälfte der Skipisten in Österreich ist wegen der Wetterverhältnisse und der teils sehr grossen Lawinengefahr geschlossen. Komplett still standen die Lifte am Montag in kleinen Skigebieten wie der Planneralm, dem Gebiet am Hochkar sowie der Region Loser-Altaussee, wie auf den Websites der Gebiete gemeldet wurde. In den grossen Skigebieten waren ebenfalls viele Pistenabschnitte nicht befahrbar. So waren in der Skiregion Arlberg laut eigener Website zeitweise nur 49 von 306 Pistenkilometer geöffnet, in der Skiregion Sölden waren es gerade einmal 15 von 140 Kilometern. In Saalbach-Hinterglemm waren 40 von 69 Liften in Betrieb und 62 von 114 Kilometern Piste befahrbar. Insgesamt gibt es laut der Website skiresort.de knapp 7000 Kilometer Skipiste in ganz Österreich.

Sind die Schneemengen eigentlich normal? Nein, erklärt Kurt Winkler vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos im Interview. Am östlichen Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden sowie im Unterengadin liegt derzeit etwa doppelt so viel Schnee wie zu dieser Jahreszeit üblich.

Wie ist die Lage in Bayern? Unsere Korrespondentin Stephanie Lahrtz fasst die Lage zusammen:

Inzwischen hat sich auch der Gemeindepräsident von Disentis zur Lage vor Ort geäussert. «Der Krisenstab ist tagtäglich unterwegs und informiert uns über die aktuellen Entwicklungen», sagt Robert Cajacob. Spezialisten, die seit Jahren im Einsatz seien, würden jeden Hang kennen und wissen, wann eine Strasse oder ein Wanderweg gesperrt werden müsse. So könne einerseits die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gewährleistet werden, andererseits aber auch sichergestellt werden, dass Sperrungen nicht unnötig aufrechterhalten werden.

Im Siedlungsgebiet herrsche zur Zeit keine erhöhte Lawinengefahr. «Ich bin in Disentis aufgewachsen, früher war es normal für uns, dass die Strassen ab und zu gesperrt sind. Jetzt haben wir mehr Verkehr, daher sind grundsätzlich mehr Leute von den Sperrungen betroffen.» Daher könne nicht von einer Ausnahmesituation gesprochen werden, findet Cajacob. Selbst wenn Disentis mehrere Tage von der Aussenwelt abgeschnitten sein sollte – hier ist man vorbereitet: «Wir Bergler haben immer etwas im Keller, verhungern tun wir nicht», meint der Gemeindepräsident schmunzelnd. «Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den letzten 65 Jahren wegen des Schnees je einen Versorgungsengpass gehabt hätten.»

Der viele Schnee habe schliesslich auch gute Seiten: «Einige Gäste finden es sogar spannend, ein paar Tage in einer Ausnahmesituation zu sein. Der Schnee wird fast zur Attraktion», sagt Cajacob. Trotzdem müsse die Gemeinde aufpassen, dass sich die Leute nicht in Gefahrensituationen begäben. So würden laufend Winterwanderwege gesperrt und entsprechend beschildert. Zudem informiere die Gemeinde via Bulletin und stehe im Kontakt mit den Hoteliers. Cajacob erwartet, dass sich der Zustand bald normalisieren wird. Denn sowohl letzte Nacht als auch am Montagmorgen hat es nur wenig geschneit. «Das Gröbste scheint überstanden, trotzdem bleiben wir natürlich weiterhin auf alles vorbereitet.»

Bei Salzburg ist ein Mann von einer Dachlawine verschüttet und tödlich verletzt worden. Wie ein Polizeisprecher am Montag sagte, wurden der 47-Jährige und drei weitere Männer beim Abschaufeln eines Hausdachs von den Schneemassen mitgerissen. Sie stürzten etwa sechs Meter in die Tiefe. Ein 26 und ein 28 Jahre alter Mann wurden nach dem Unfall in der Nähe von Salzburg ins Spital gebracht. Ein 38-Jähriger blieb unverletzt.

In den Fideriser Heubergen im bündnerischen Prättigau können mehr als 100 Personen wegen Lawinengefahr nicht mehr abreisen. Es handelt um die Gewinner eines Wettbewerbs, die am Sonntag ins Skigebiet gekommen waren. Wie lange die Ausflügler im Berghaus auf etwa 2000 Metern über Meer blockiert sind, ist ungewiss. Sie hätten am Montagnachmittag die Heimreise antreten sollen. Den Weg ins Tal freimachen wird möglicherweise eine Sprengung am Dienstagmorgen, wie es auf Anfrage hiess. Alle festsitzenden Ausflügler seien gesund.

Die Strassen nach Andermatt sind gesperrt und auch auf dem Luftweg ist die Gemeinde nicht erreichbar. Doch eine Verbindung ist momentan noch geöffnet, wie Vize-Gemeindepräsident Peter Baumann erklärt: «Die Bahn auf der Strecke Andermatt-Göschenen fährt noch immer einmal pro Stunde.» Ob die Strecke gesperrt wird, entscheidet die Matterhorn Gotthard Bahn. «Es gibt nur einen Hang auf der Strecke, der anfällig ist für Lawinen.» Hinsichtlich der Lage im Dorf bleibt Baumann entspannt: «Die Strassen sind ja erst seit gestern gesperrt und das passiert bei uns durchschnittlich einmal pro Jahr, ist also noch nichts Aussergewöhnliches.» Ausserdem rechnet er damit, dass sich die Lage bald wieder normalisiert: «Momentan sehen wir nicht viel durch den ganzen Schnee. Ab Mittwochmorgen wird dann neu beurteilt, ab wann die Strassen wieder geöffnet werden.» Aus der Erfahrung der letzten Jahre haben man gelernt, die richtigen Schlüsse zu ziehen. So funktioniere die Zusammenarbeit mit Kanton, Polizei und Lawinenforschungsinstitut sehr gut.

Im Gegensatz zu Andermatt ist Disentis komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Hier fährt auch die Bahn nicht mehr. Simona Barmettler, Geschäftsführerin von Sedrun-Disentis Tourismus, sieht momentan aber ebenfalls noch keinen Grund zur Sorge. «Es ist nicht das erste Mal, dass die Strassen gesperrt sind, daher haben die Einheimischen eine gewisse Routine, sie sprechen sich untereinander ab.» Auch die Gäste seien entspannt: «Wir arbeiten mit den Hoteliers zusammen, welche ihre Gäste über die aktuelle Lage informieren.» Einige Strassen im Gebiet sind weiterhin befahrbar: «Ich bin soeben mit dem Auto nach Dieni gefahren, die Strecke ist punktuell passierbar, wird aber genau überwacht», sagte Barmettler. Zwischen Sedrun und Dieni liegt ein Hang, der anfällig für Lawinen ist. Dank der Kontrollen weiss die Polizei immer genau, wie viele Autos auf der Strecke unterwegs sind. «Weil wir aus den Ereignissen der letzten Jahre gelernt haben, sperren wir die Strecken lieber präventiv ab, wenn das Risiko zu gross ist.»

Die Organisatoren der Lauberhornrennen in Wengen im Berner Oberland kämpfen gegen die Schneemassen. Laut Rennleiter Bob Lehmann liegen auf der Rennpiste Schneeverwehungen, die im Hinblick auf die Rennen vom nächsten Wochenende entfernt werden müssen. «Wegen der Lawinengefahr können unsere Helfer nur unter der Leitung von Bergführern auf der Strecke arbeiten», sagt Lehmann. Zahlreiche Lawinen seien zwar gesprengt worden, dennoch sei der Betrieb der Jungfraubahn zwischen Wengen und der Kleinen Scheidegg vorerst eingestellt.

Lehmann rechnet trotz Schneemassen nicht damit, dass die Rennen abgesagt werden müssen. Das erste Abfahrtstraining vom Dienstag fällt jedoch aus, trainiert wird am Mittwoch. Im Hinblick auf die auf das Wochenende angekündigten Schneefälle gibt sich der Rennleiter gelassen. «Fallen nicht mehr als 30 cm Neuschnee, sind die Rennen nicht in Gefahr.» In Wengen findet am Freitag die Superkombination statt, am Samstag die Lauberhornabfahrt und am Sonntag ein Slalom.

Auf die Mittelstation der Gotschnabahn in Klosters ist in der Nacht eine Lawine niedergegangen. «Wir haben die Situation unter Kontrolle», sagte Markus Good, der technische Betriebsleiter von Parsenn, dem «Tages-Anzeiger». Man sei nun mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Durch die Lawine seien einige Fenster zu Bruch gegangen. Das Skigebiet bleibe am Montag wegen Orkanböen ohnehin geschlossen, sagte Good.

Zwei Eiskletterer sind am Sonntag in Platta im Bündner Oberland von einer Lawine verletzt worden. Ein 41-Jähriger trug schwere Verletzungen davon, ein 48-Jähriger leichte. Der dritte Kletterer schlug Alarm. Die drei Männer waren in der Val Stgira auf Eis geklettert, wie die Kantonspolizei am Montag meldete. Kurz vor 12 Uhr 30 sei die Gruppe von der Lawine erfasst worden. Mitglieder der SAC-Sektion Piz Terri bargen die Verletzten und transportierten sie zur Lukmanierstrasse. Mit Ambulanzen der Rettung Surselva wurden sie in Spitäler gebracht.

Nach dem Lawinenabgang vom vergangenen Donnerstag herrscht auf der Schwägalp noch immer Lawinengefahr. Der Zugang bleibt für Fahrzeuge und Fussgänger gesperrt, wie die Ausserrhoder Polizei am Montag informierte. Laut dem Polizeisprecher ist die Strasse zur Schwägalp ab Passhöhe gesperrt. «Wir sind in Kontakt mit den Experten vor Ort. Sollte durch den derzeitigen Schneefall Gefahr bestehen, werden wir reagieren und entsprechende Massnahmen ergreifen», sagte Saxer laut dem «Tagblatt».

Beim Abgang einer riesigen Lawine vom Säntis-Nordhang auf die Schwägalp waren am Donnerstagnachmittag drei Personen leicht verletzt worden. Das 2015 neu gebaute Hotel bei der Säntisbahn-Talstation und zahlreiche parkierte Autos wurden beschädigt.

Bis Freitagabend wurde mit Sondierstangen nach allfälligen Verschütteten gesucht, obwohl es keine Vermissten gab. Seither wurden die Schneemassen und die beschädigten Fahrzeuge mit schwerem Gerät weggeräumt. Wie gross die durch die Lawine verursachten Schäden sind, ist noch nicht bekannt

Die deutsche Bundespolizei wird 230 Einsatzkräfte zur Unterstützung der Helfer in den tiefverschneiten Gebieten Südbayerns bereitstellen. «Das ist ein Signal, dass man in einer solchen Situation einfach zusammensteht», sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Montag bei einem Treffen mit Rettungs- und Hilfskräften in Berchtesgaden.

Der Landrat des Berchtesgadener Lands hatte die Bundespolizei am Samstag um Hilfe gebeten. In der Region gilt seit Tagen der Katastrophenfall. Bereits mehr als 1000 Kräfte von Bundeswehr, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk räumen unter anderem Schneemassen von einsturzgefährdeten Dächern.

In Tirol sind viele teils sehr grosse Lawinen abgegangen. Wie der Lawinenwarndienst des österreichischen Bundeslandes am Montag mitteilte, wurde daher die höchste Lawinenwarnstufe auf weitere Regionen des Landes ausgeweitet; sie gilt derzeit in drei Bundesländern. «Es fiel vor allem am Karwendel mehr Schnee als erwartet», teilten die Experten in ihrem Lagebericht am Montag mit. Aufgrund von Regen könne es im Laufe des Tages unterhalb von 1500 Metern Seehöhe vermehrt zu «Gleitschneelawinen und nassen Rutschen» kommen.

Seit Sonntag fielen in Tirol 60 bis 100 Zentimeter Neuschnee, lokal laut dem Lawinenbericht auch mehr. Für den Montag rechneten die Experten mit weiteren 50 Zentimetern. Das Ende der Niederschläge wird für Dienstag erwartet.

In der Nacht hat es in den Schweizer Alpen teilweise auch kräftig gestürmt.

Nach erneut kräftigen Schneefällen sind in Österreich mehr als 180 Strassen gesperrt. Wie der Sender ORF am Montagmorgen meldete, waren deswegen mindestens ein Dutzend Orte nicht erreichbar. Die Lawinengefahr ist in einigen Regionen im Vergleich zum Wochenende wieder angestiegen.

In den Bundesländern Vorarlberg und Tirol wurde die höchste Warnstufe ausgerufen. In den Vorarlberger Gebieten mit sehr grosser Lawinengefahr kamen bis zum Morgen 65 bis 100 Zentimeter Neuschnee zusammen. Es wurden noch weitere 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee erwartet.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ging zudem davon aus, dass es in Tirol und Vorarlberg gebietsweise bis zu 5 Grad warm werden könnte. «Mit der Erwärmung steigt die Auslösebereitschaft von spontanen trockenen Lawinen vor allem in mittleren und hohen Lagen deutlich an», heisst es im Lagebericht des Lawinenwarndienstes. Auch im Gebiet Hohe Tauern im Land Salzburg galt am Montag die höchste Lawinenwarnstufe.

In der bündnerischen Surselva ist eine Lawine niedergegangen. Der Ort Disentis Sedrun ist deshalb seit Montagmorgen von Graubünden her weder per Zug noch auf der Strasse erreichbar. Die Bahnstrecke zwischen Sumvitg-Cumpadials und Disentis/Mustér ist gesperrt, wie die Rhätische Bahn (RhB) am Morgen mitteilte. Die Züge fahren bis Ilanz und Ersatzbusse bis Sumvitg. Die zuständigen Stellen wollten die Situation am Morgen neu beurteilen. Räumungsarbeiten sind im Gang.

Gesperrt sind wegen des vielen Schnees auch weitere RhB-Strecken. Zwischen Chur und Arosa verkehrten am Morgen keine Züge, und auch die Strecke von Klosters Platz nach Davos Platz war gesperrt. Diese Sperrungen dauerten voraussichtlich bis am Mittag, schrieb die RhB. Auf beiden Strecken fahren Busse.

Zwischen Bever und Spinas unterbrochen ist auch die Bahnstrecke über den Albulapass. Wer ins Oberengadin reisen will, muss ab Chur und Landquart über die Vereinalinie ins Unterengadin und von dort ins Oberengadin reisen. Auf der Albulastrecke fahren die Züge zwischen Chur und Filisur. Zwischen Filisur und Bergün fahren Ersatzbusse.

Wegen Lawinengefahr gesperrt ist auch die Bahnstrecke Davos-Filisur, bis auf weiteres, wie die RhB schreibt. Diese Strecke wird mit Bussen bedient. Auch Strassenverbindungen in Seitentäler Graubündens sind wegen des Schnees gesperrt, wie der Kanton schreibt. Auf einigen Verbindungen sind Schneeketten Pflicht.

Die Lawinengefahr ist vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in mehreren Gebieten auf die höchste Stufe angehoben worden. Diese Gefahrenstufe herrscht nur sehr selten. Grossflächig wurde sie das letzte Mal im Lawinenwinter 1999 herausgegeben, wie das SLF schrieb.

Wegen der Wettervorhersagen für die kommenden Tage erhalten rund 130 Schülerinnen und Schüler aus dem Obertoggenburg im Kanton St. Gallen am Montag und Dienstag schulfrei, wie schon am Wochenende bekannt wurde. Für die Kinder von Unterwasser und Alt St. Johann könne die Sicherheit auf dem Schulweg aufgrund der Wetterlage nicht gewährleistet werden, sagte der zuständige Schulleiter. Einige Kinder müssen, um den Schulbus zu erreichen, zu Fuss bis zu 30 Minuten durch den Schnee gehen.

Auch in Bayern ging am Montagmorgen eine Lawine nieder. Die Schneemassen trafen ein Hotel im Winterskiort Balderschwang; verletzt wurde laut der Polizei niemand. Die Lawine mit einer Breite von 300 Metern drückte Fenster des Hotels ein, Schnee drang ins Gebäude ein. Die Einsatzkräfte konnten zunächst nicht mit Räumungsarbeiten beginnen. Experten mussten zuerst klären, ob sich weitere Schneebretter lösen könnten.

Die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang ist wegen der Gefahr von Abgängen seit Sonntag gesperrt. Rund 1300 Menschen sitzen in dem Skiort fest. Am späten Sonntagabend hatte eine Lawine Teile der Bundesstrasse 305 im Landkreis Berchtesgadener Land verschüttet. Verletzt wurde niemand, der Streckenabschnitt blieb gesperrt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich am Montag selbst ein Bild der Lage machen. Er besucht Helfer und Einsatzkräfte in Berchtesgaden und Neukirchen am Teisenberg. Für die bayerischen Alpen gilt die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Der Deutsche Wetterdienst erwartet bis Dienstagmittag für die Region weitere Schneefälle. Für andere Teile des Landes ist Schneematsch vorausgesagt. Die Last auf Bäumen und Dächern könne damit weiter zunehmen.

Vor allem in der Mitte und im Norden Bayerns kam es ausserdem zu Überschwemmungen. Mehrere Flüsse und Bäche traten in der Nacht über die Ufer. Teilweise wurden Äcker und Wiesen überflutet. Für den oberfränkischen Landkreis Kulmbach warnten die Behörden vor Überschwemmungen in bebauten Gebieten. Auch in Mittelfranken stellte sich die Polizei auf Überschwemmungen ein. «Das Hochwasser kommt langsam», sagte eine Polizeisprecherin am Morgen. In Niederbayern stiegen laut einem Polizeisprecher die Wasserstände leicht an. Strassen seien aber noch nicht überflutet.

Wegen des anhaltenden Schneefalls spitzt sich die Lage in Österreich zu. Nach der Sperrung weiterer Strassen sind allein im österreichischen Bundesland Salzburg insgesamt rund 17’000 Menschen von der Aussenwelt abgeschnitten. Wie die Behörden berichteten, wurde am Sonntagabend auch die Strasse nach Obertauern wegen Lawinengefahr gesperrt.

Im Ort Rauris allein warteten 3000 Einheimische und 2000 Gäste auf die Aufhebung der dortigen Strassensperren. Die Orte Unken, Lofer, St. Martin und Weissbach nahe der deutschen Grenze seien ebenfalls nicht mehr erreichbar. Gefahr drohe den Eingeschlossenen aber nicht. Sie seien alle medizinisch versorgt und wohlauf, sagte der Einsatzleiter des Landes.

Auch in Tirol und in Vorarlberg waren bei Touristen beliebte Skiorte wegen der grossen Neuschneemengen von der Aussenwelt abgeschnitten – darunter Ischgl, Sölden, Lech und Zürs. Bis zum Montagabend soll in vielen Regionen teilweise mehr als ein Meter Schnee fallen.