In Ebikoner Schuppen: Krienser Trambahn erwacht zu neuem Leben

Leidenschaft hat viele Gesichter. Sie kann sich zum Beispiel in Form einer winzigen Strassenlaterne offenbaren: So zu sehen in einem umfunktionierten Munitionsdepot an der Kaspar-Koppstrasse in Ebikon. Wer den unscheinbaren Bau betritt, findet sich in einer nostalgischen Traumwelt wieder: gemütlicher Aufenthaltsbereich mit Küche und Tisch, Maschinen und Bastelutensilien, Vitrinen, Polstersessel und eine beeindruckende Sammlung an Modelleisenbahnen. Hier frönen die 83 Mitglieder der Eisenbahn- und Modellbaufreunde Luzern EMBL ihrer Leidenschaft.

In den vergangenen 17 Jahren hat im Lokal eine sechsköpfige Projektgruppe ein Stück Luzerner Verkehrsgeschichte nachgebaut: Die Kriens-Luzern-Bahn KLB, die ab 1886 den Pilatusplatz mit Kriens verband: eine Spur für Güterzüge zur Bell Maschinenfabrik, eine Spur für das Tram, das 1961 durch den Trolleybus ersetzt wurde. Die Güterbahn fuhr noch bis 1997 weiter.

Vier Jahre später begann die Wiederauferstehung. «Anlässlich der Modellbautage 2001 im Verkehrshaus arbeiteten wir an einem Modell des Bahnhofs Kupferhammer», erzählt Kurt Baumgartner, der der Projektgruppe angehört. «Da kam uns die Idee, die ganze Strecke nachzubauen.» So forschten sie nach alten Fotos, studierten Grundbuchpläne und machten sich daran, ausgewählte Bereiche im Streckenverlauf möglichst so zu rekonstruieren, wie sie 1960 ausgesehen haben.

Die Gebäude werden am Computer gezeichnet, ausgedruckt und dann gefaltet sowie verleimt. Allein für die Pauluskirche waren 100 Blätter Fotokarton, sechs Pizzaschachteln, drei Tuben Weissleim und etliche Tintenpatronen nötig. Vor den Fenstern der Häuser hängen Geranien, die Weichen sind durch originalgetreue Miniatur-Handstellhebel bedienbar, die Strassenlaternen und Lichtsignale funktionieren. Die KLB ist nun grundsätzlich bereit, wieder zu rollen.

Fertig ist das Modell aber noch nicht. So sind etwa die Trams zu leicht und fahren deshalb nicht wunschgemäss. Zehn weitere Gebäude sind noch am Entstehen. Und die Erbauer wissen immer noch nicht, wie der freie Platz zwischen dem Hotel Pilatus und dem ehemaligen Kino Scala um 1960 ausgesehen hat. Ein paar Jahre werden sie also noch am Modell weiterarbeiten. Und das sei auch gut so, meint Peter Herzog von der Projektgruppe lachend:

«Es darf gar nicht
fertig werden. Sonst haben
wir ja nichts mehr zu tun.»

Wobei: Das Modell soll eines Tages doch auch der Öffentlichkeit präsentiert werden – idealerweise natürlich in Kriens. Bei aller Liebe zum Detail: Irgendwann müssen dann selbst die Perfektionisten der EMBL sagen: Jetzt ist gut.

Woher kommt die Leidenschaft für das Modellbauen? Die Clubmitglieder schätzen die Vielfältigkeit ihres Hobbys. «Man beobachtet zuerst die Natur», sagt Kurt Baumgartner, «und setzt sie dann handwerklich um.» Dazu gehört auch, die Anlage zu verkabeln. Schliesslich soll die Modellbahn rollen. Am Freitag ist jeweils Bauabend. «Rund ein Viertel der Mitglieder ist aktiv, wir sind dann also etwa 20 Personen hier», erklärt Reto Solèr, Präsident der EMBL.

Sie beschäftigen sich vor allem mit Landschaftsarchitektur. Die Gleise und Eisenbahnmodelle kann man kaufen, aber jeder Stein, Busch, Baum, Masten und Zaunpfahl entsteht in Handarbeit: aus Holz, Karton, Papier, Glacéstängeli – was immer man zur Hand hat. Wer jetzt Mühe hat, sich eine solche Modellbahn vorzustellen, erinnere sich an seinen letzten Besuch im Verkehrshaus. Das stattliche Modell der Gotthardbahn, das dort seit 1958 Gross und Klein in seinen Bann zieht, war ein früheres Projekt der EMBL. «Und man darf uns natürlich auch mal besuchen. Jeden Freitag ab 19 Uhr steht die Tür offen,» ergänzt Reto Solèr.