Die ZSC Lions verpflichten Arno Del Curto – und wirken konzeptlos

Es ist drei Wochen her, seit Sven Leuenberger, der Sportchef der ZSC Lions, wortreich darüber referiert hat, wie anders jetzt doch alles sei. Es gebe keine Parallelen zum Vorjahr, als der Trainer Hans Wallson habe weichen müssen. Kein Vergleich – wo käme man denn da hin? –, der jetzige Coach Serge Aubin habe nämlich einen Plan.

Seither gewann der Kanadier vier von sechs Spielen. Und wurde am Montagmorgen trotzdem entlassen – obwohl Walter Frey, der Präsident und Geldgeber der ZSC Lions, Entlassungen als zu vermeidende Stillosigkeit empfindet.

Leuenbergers vorweihnachtliche Worte waren nicht mehr als Lippenbekenntnisse, auch die sanfte Steigerung der vergangenen zwei Wochen konnte Aubin nicht mehr retten. Der Kontakt zu Arno Del Curto wurde schon kurz nach dem Jahreswechsel intensiviert, die Frage der Entlassung Aubins war da nur noch eine Frage der Zeit.

Die Beurlaubung des Kanadiers ist eine Niederlage für das gesamte ZSC-Management. Der bis 2020 gebundene Aubin war unter angeblich grösster Sorgfalt ausgewählt und ein halbes Jahr vor seinem Vertragsablauf bei den Vienna Capitals unter Vertrag genommen worden. Die Zürcher waren mit einer imposanten Delegation nach Wien geflogen, neben Leuenberger reisten der CEO Peter Zahner und der einflussreiche Verwaltungsrat Peter Spuhler an.

Sie alle müssen sich nun eingestehen, auf den falschen Mann gesetzt zu haben. Aubin gelang es in Zürich nie, ein Profil zu entwickeln. Zu oft wirkte der ZSC lethargisch, mental blockiert auch – also genau wie unter den Vorgängern Wallson, Marc Crawford und mit Ausnahme des Steigerungslauf im Play-off auch wie unter dem Meistertrainer Hans Kossmann. Was die Frage aufkommen lässt, ob es wirklich immer am Coach liegt – und nicht eher an diesem Team, das aus eigener Kraft seltsam wenig Antrieb findet.

Del Curto ist für den ZSC eine spektakuläre Lösung, der sechsfache Meistercoach hat für die Organisation während Jahren die ganz grosse Versuchung dargestellt. Nun konnten die Zürcher nicht widerstehen. Del Curto, die Lichtgestalt der Schweizer Trainergilde, kehrt an jenen Ort zurück, an dem er schon von 1991 bis 1993 wirkte – wenn auch unter gänzlich anderen Voraussetzungen: Der ZSC von damals hatte mit der international angesehenen Premiumorganisation von heute nichts gemeinsam, er war damals ein gewöhnlicher NLA-Klub.

Wobei man sich auf den Standpunkt stellen kann, dass der ZSC auch heute in gewisser Weise erneut ein gewöhnlicher NLA-Klub ist. Stabilität ist in Oerlikon gerade ein Fremdwort angesichts der zweiten Trainerentlassung innert eines Jahres. Die Frage ist, ob Del Curto das Risiko wert ist. Er geniesst in der Branche unverändert einen exzellenten Ruf, Chris McSorley, der Trainer von Genf/Servette, etwa sagt: «Er wird stärker denn je zurückkehren.»

Doch in Davos hatte es an Misstönen nicht gemangelt. Nach einer Ära von 22 Jahren ist das nichts als normal, doch niemand weiss, ob Del Curto im raueren Zürcher Umfeld mit dessen angriffsfreudigerer Medienlandschaft wird funktionieren können, zumal mit intern deutlich beschnittenen Befugnissen. Aus Davos war verschiedentlich zu hören, seine Kommunikation mit den Spielern sei nicht mehr zeitgemäss gewesen, der Trainer habe mit seinen Umgangsformen Grenzen zumindest ausgelotet.

Womöglich ist es just das, was das Zürcher Luxuskader mit seinen Luxusproblemen braucht, um aus der Komfortzone gelockt zu werden. Doch der ZSC betreibt mit seinen ziemlich unvermittelten Kurswechseln und seiner erstaunlichen Konzeptlosigkeit ein gefährliches Spiel.