«Das Dorf gleicht einer Geisterstadt»

Von der Aussenwelt abgeschnitten

14. Januar 2019 10:38;
Akt: 14.01.2019 11:26

Nach einer Lawinenwarnung ist Disentis GR von der Aussenwelt abgeschnitten. Strasse und Schiene sind gesperrt. Die Schulen bleiben geschlossen.

Am Sonntagabend kurz nach 22 Uhr löste die Lawinenwarnanlage oberhalb Disentis GR Alarm aus. Seither sind aus Sicherheitsgründen vorsorglich sämtliche Strassen und Schienen in der näheren Umgebung gesperrt und die Dörfer Disentis und Sedrun von der Aussenwelt abgeschnitten.

«Am Berg ist etwas ins Rutschen geraten, darum schlug die Lawinenwarnanlage Alarm. Bis hinunter auf Gemeindegebiet sind allerdings keine Lawinen gelangt», sagt Robert Cajacob, Gemeindepräsident von Disentis. Nach dem gestrigen Alarm sind die Dörfer Disentis und Sedrun nun nicht mehr erreichbar. Die Menschen vor Ort sitzen fest. Auch die Schulen bleiben geschlossen.

Angespannte Dorfbewohner

Am Sonntagabend hätten sie vom Lehrer eine Nachricht erhalten, dass die Schule für die Kinder am Montag ausfalle, erzählt eine Leserreporterin. «Wir sind angespannt in dieser ungewissen Situation – vor allem, weil Lawinen drohen. Man weiss nicht, was da noch vom Berg runter kommt.»

Sie seien vor rund einem Jahr bereits zwei, drei Tage abgeschnitten gewesen. «Es ist ein komisches Gefühl. Das Dorf gleicht einer Geisterstadt. Niemand ist unterwegs und alle scheinen auf Neuigkeiten zu warten», so die Leserreporterin.

Situation laufend neu beurteilt

«Wir kennen diese Situation aus anderen Jahren. Auf Siedlungsgebiet besteht keine Gefahr, aber ausserhalb sind ohnehin längst alle Wanderwege und anderen touristischen Angebote geschlossen. Nur das Skigebiet bleibt offen», so Gemeindepräsident Robert Cajacob. Die Situation wird vom Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wald- und Naturgefahren laufend neu beurteilt.

Ungewöhnlich ist die grosse Schneemenge, mit der die Räumungsdienste zu kämpfen haben. Und: «Noch immer stürmt es hier ziemlich und der Wind zusammen mit dem Nassschnee sorgt nicht für eine Entspannung, was die Lawinensituation betrifft», sagt Simona Barmettler, Geschäftsführerin von Sedrun-Disentis Tourimus. Eine Neubeurteilung der Lage soll noch vor dem Mittag erfolgen.

(scl)