Cannabis-Aktien tauchen aus dem Nebel auf

Cannabis-Aktien zählen – im Gegensatz zu dem Produkt selbst – mitnichten zu den beruhigenden Dingen auf dieser Welt. Allein zwischen Mitte August und Mitte Oktober vergangenen Jahres hatten die äusserst volatilen Papiere gemessen am North-American-Marijuana-Index (Nammar-Index) rund 80% zugelegt. Vor allem die Legalisierung des Konsums von Cannabis in Kanada hatte die Valoren beflügelt.

Bis Weihnachten büssten die Aktien all ihre Gewinne in zwei grossen Schüben wieder ein und sogar noch etwas mehr. Seither befinden sie sich wieder in einem steilen Aufwärtstrend, der den Anlegern bereits ein Kursplus von rund 30% in drei Wochen beschert hat.

Sowohl der Absturz als auch die gegenwärtige Erholung haben etwas mit der allgemeinen Stimmung an den Börsen zu tun. Drangen ab Herbst und vor allem im Dezember positive Nachrichten immer weniger stark zu den Anlegern durch und wurden negative Meldungen meist zum Anlass genommen, sich von Papieren zu trennen, gelten die Märkte nach der ausgeprägten Talfahrt als «überverkauft». Das seit Tagen anhaltende Rally hängt sicher auch damit zusammen, dass die zuvor erlittenen Kurseinbussen von vielen Marktteilnehmern als übertrieben angesehen werden.

Bei den Cannabis-Aktien gibt es aber auch hausgemachte Gründe für den neuerlichen Rückenwind an den Börsen. Vor kurzem hatte das kanadische Cannabis-Unternehmen Aphria laut der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Anstieg seines Umsatzes um über 90% gemeldet. Obwohl der durchschnittliche Verkaufspreis um 8% gesunken war – Cannabis für «Entspannungszwecke» ist deutlich günstiger als für medizinische Anwendungen – und sich Aphria Vorwürfen ausgesetzt sieht, Vermögensgegenstände von Insidern zu überhöhten Preisen erworben zu haben, verteuerte sich der Aktienkurs seither um mehr als 50%. Allerdings liegt er damit noch immer knapp 60% unter dem Hochpunkt vom September.

Bei Tilray war es die Nachricht, dass der grösste private Aktionär Privateer Holdings im ersten Halbjahr 2019 keine Anteilscheine verkaufen werde. Dies wäre nach Ablauf der Lock-up-Periode am 15. Januar möglich gewesen. Die als optimistisches Signal interpretierte Nachricht trug dazu bei, dass die Tilray-Titel rund 20% an Wert gewannen.

Viel Hoffnung scheinen die Anleger auch aus der Tatsache zu schöpfen, dass der Absatz von Cannabis, der für die kotierten Unternehmen bisher vor allem auf Kanada beschränkt war, mehr und mehr zu einem internationalen Thema wird. An einer Cannabis-Konferenz in der vergangenen Woche in Toronto liess es kein Unternehmen aus, seine Wachstumsmöglichkeiten ausserhalb des Heimmarkts zu betonen.

Gut möglich, dass es den Cannabis-Unternehmen gelingt, eine neuerliche Aufbruchstimmung unter den Anlegern zu verbreiten. Der gegenwärtige Höhenflug der Papiere könnte sich dann noch eine Weile fortsetzen, insbesondere, wenn das freundliche Klima an den Börsen nicht schnell wieder ins Frostige umschlägt. Man muss jedoch kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Cannabis-Titel ihre hohe Volatilität so bald nicht ablegen werden. Wo es erlaubt ist, wissen die Anleger dann immerhin, wie sie sich nach dem nächsten Kursrutsch entspannen können.