Bürgermeister von Danzig erliegt nach Messerattacke seinen Verletzungen

(afp/dpa) Der Bürgermeister der polnischen Hafenstadt Danzig, Pawel Adamowicz, ist nach einem Messerangriff bei einer öffentlichen Veranstaltung am Montag seinen Verletzungen erlegen.

Der mutmassliche Angreifer wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor. Der 27-Jährige habe laut vorläufigen Erkenntnissen aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte am Montag der stellvertretende Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak. Die Ermittlungen gegen den Mann dauerten an, eine Anklage stand zunächst aus. Laut Medienberichten war Rache das Motiv für die Tat.

Der Mann war bei einer Benefizveranstaltung auf die Bühne gestürmt und hatte mit einem Messer mehrfach auf den 53-Jährigen eingestochen, der seit 1998 Bürgermeister von Danzig war. Adamowicz wurde vor Ort wiederbelebt und anschliessend ins Spital gebracht. Der Politiker erlitt schwere Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum.

Der Täter soll während des Angriffs gerufen haben, dass er unschuldig im Gefängnis gewesen sei, hiess es unter Berufung auf Augenzeugen. Der 27-jährige Danziger, der laut Berichten wegen Banküberfällen eine mehr als fünfjährige Freiheitsstrafe abgesessen hatte, wurde festgenommen. Polnische Politiker verurteilten die Tat.

Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Der Angreifer hatte laut Medienberichten beim Finale einer landesweiten Spendenaktion die Bühne gestürmt und Adamowicz attackiert. Der mutmassliche Täter habe der Bürgerplattform PO die Schuld für seine Haft gegeben, meldete die Agentur PAP unter Berufung auf Videoaufnahmen der Tat.

Auf in polnischen Medien verbreiteten Aufnahmen war zu sehen, dass der Angreifer nach der Tat auf der Bühne blieb und triumphierte, bis er vom Sicherheitspersonal überwältigt wurde. «Er hat sich gefreut», sagte eine Augenzeugin dem Sender TVN24. Der Mann sei nach seiner Haftstrafe noch nicht lange wieder auf freiem Fuss, berichteten Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. Der Pole soll mit einer Medienakkreditierung in die Nähe der Bühne der Spendengala, auf der Adamowicz eine Rede gehalten hatte, gekommen sein. Beim Angreifer schlossen die Ermittler eine psychische Erkrankung nicht aus und kündigten eine psychologische Untersuchung an.

Die Tat während einer bekannten Benefizveranstaltung der Organisation WOSP erschütterte ganz Polen. Bei dem jährlichen Event wird Geld für die Ausstattung von Kinderkrankenhäusern gesammelt. Der Angriff auf das Leben und die Gesundheit Adamowiczs müsse aufs Schärfste verurteilt werden, schrieb Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bei Twitter. Innenminister Joachim Brudzinski sprach von einem «Akt der Barbarei».

EU-Ratspräsident Donald Tusk, Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans und der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sprachen Adamowicz ihren Beistand aus.