Nach Kohle kommt Klimaschutz

Klimakonferenz, Energiewende, Fahrverbote – alle reden vom Umweltschutz. Bottrop will’s wissen und plant CO2-Emissionen um die Hälfte zu reduzieren. Aber wie soll das gehen?

ZDF in Bottrop: Bald macht mit Prosper-Haniel die letzte deutsche Steinkohlenzeche dicht. Und damit fällt auch das so genannte Kohledeputat, die Gratis-Kohle für Kumpel weg. Ein Grund nach Heiz-Alternativen zu suchen. Auch weil das Umrüsten belohnt wird.

“Das ist mein schwarzes Gold.” Hartmut Rohwer hält uns seinen ganzen Stolz hin. Kohle. Zwei Schaufeln voll. Wir stehen in seinem kleinen Garten in der Bottroper Zechenhaussiedlung. Die Hälfte der Rasenfläche bedeckt mit großen, weißen Säcken seines “schwarzen Goldes”. Sechs Tonnen insgesamt. Dazu kommen die 4,5 in seinem Kohlenkeller und die drei, die noch beim Kumpel liegen. Macht 13,5 Tonnen. “Das reicht noch drei Jahre.” Das hat er ausgerechnet.

Aber dann ist Schluss – auch mit der Kohlenheizung. Denn wenn in wenigen Wochen mit Prosper-Haniel die letzte deutsche Steinkohlenzeche dicht macht, fällt auch das so genannte Kohledeputat – die Gratis-Kohle für Kumpel – weg. Zeit umzudenken, umzurüsten. Auch weil sich das Umrüsten lohnt.

Die Stadt Bottrop fördert Sanierungswillige wie Rohwer mit Zuschüssen, will die Luft sauberer machen, CO2-Emissionen bis 2020 um die Hälfte reduzieren. Bottrop – “Innovation City” – so der Projekttitel und das Selbstverständnis. Bottrop will Vorbild sein für das gesamte Ruhrgebiet.

Auch mit Hilfe von Photoment. Ein spezieller Zusatzstoff für Pflastersteine, der die Luft filtern soll. Verlegt mitten in der Fußgängerzone. Ein Quadratmeter Photoment soll die Emissionen eines gefahrenen Auto-Kilometers filtern. Weniger Stickoxide, saubere Luft. So die Rechnung.

Für Stephan Patz von der Gesellschaft für Bauen und Wohnen in Bottrop (GBB) ging die Rechnung nicht ganz auf. Die GBB hat vor ein paar Jahren im strukturschwächeren Süden der Stadt ein Plusenergiehaus gebaut. Gefördert mit öffentlichen Mitteln. Entstanden ist ein Gebäude mit dem öffentlichkeitswirksamen Namen “Zukunftshaus” – ein Mehrfamilienhaus, das mit Hilfe von Photovoltaik, moderner Dämmung, Wärmetauscher etc. mehr Energie produziert, als es verbraucht – und in diesem Fall auch für Menschen mit geringem Einkommen, mit Wohnberechtigungsschein erschwinglich ist.

Für Mechthild und Gerhard Lautsch ein Sechser im Lotto. Sie wohnen in einer der sechs Mietwohnungen und zahlen für 75 Quadratmeter nur 610 Euro warm. “Wir freuen uns jeden Tag, in so einem modernen Haus wohnen zu dürfen”, erzählt uns der ehemalige Personalleiter von Thyssen Krupp in Duisburg. Hier wegziehen? “Niemals.”

Für die GBB selbst ist das Haus eher ein Prestigeobjekt, eines, das Politiker und Presse anlockt. “Hier können wir zeigen, was gut läuft, und was weniger gut läuft, was wir in anderen Objekten umsetzen sollten, und was nicht”, erzählt Stephan Patz. Aber Gewinn mache die GBB hier nicht. Und so wird diese Hausart wohl keine Zukunft haben.

Für Hartmut Rohwer fängt die Zukunft in drei Jahren an. Dann, wenn seine Kohle aufgebraucht, und die neue Gasheizung installiert ist. Zurück zur Kohle kommt für ihn nicht in Frage. “Bei viereinhalb Tonnen Verbrauch im Jahr stoße ich 14,4 Tonnen CO2 aus. Das Verhältnis passt nicht. Wir haben die Welt von unseren Kindern geliehen, und ich möchte denen auch noch was übrig lassen.”

Nach Kohle kommt Klimaschutz in Bottrop. Ob die ambitionierten Ziele aber erreicht werden, wird sich wohl erst in den nächsten Jahrzehnten zeigen.