Hirscher schlägt zurück – Meillard wird Fünfter

Vorne war alles wie immer – aber etwas weiter hinten: eher weniger. Marcel Hirscher, einmal mehr, hat am Samstag den Riesenslalom von Val-d’Isère gewonnen. Hirscher, der Weltcup-Dominator der letzten Jahre, Gesamtsieger 2012 bis 2018, war im Oktober Vater eines Buben geworden. Noch weiss die Öffentlichkeit nicht, wie das Kind heisst, Hirscher lässt Privatsphäre Privatsphäre sein. Wer mit ihm vor der Geburt darüber reden wollte, wie er die Vaterrolle mit dem gewohnten Total-Fokus auf den Skisport zu vereinbaren gedenke, stiess auf Schweigen.

Aber Hirscher muss einen Weg gefunden haben: Nach drei Saisonrennen verbucht er zwei Siege und einen zweiten Rang, und wenn er gewinnt, ist – ganz nebenbei – auch der Zweitklassierte ein gewohnter Gefährte: Henrik Kristoffersen. Der Norweger musste sich in Val-d’Isère nur von Hirscher geschlagen geben, so wie im November in Levi – und so wie neunmal im vergangenen Winter.

Dem Österreicher scheint auch in dieser Saison schwierig beikommen zu sein. Seines Erachtens besässe aber ein Schweizer das Potenzial dazu. Hirscher schwärmte von Loïc Meillard, der zwar auch weit hinter ihm lag, aber bloss 36 Hundertstel hinter Kristoffersen. Der 22-Jährige kommt dem Podest immer näher. Am Weltcup-Final 2018 hatte er es um 42 Hundertstel verpasst, in Beaver Creek vor einer Woche um 33, in Val-d’Isère fehlten 23.

Meillard steht stellvertretend für die Fortschritte des Schweizer Riesenslalomteams. In Beaver Creek erreichte der Routinier Thomas Tumler erstmals das Podest, auch in Val-d’Isère startete er gut, ehe er ausschied. Gleichwohl klassierte sich ein zweiter Schweizer unter den ersten sieben: Marco Odermatt, der fünffache Juniorenweltmeister 2018. Meillard und Odermatt künden sich in der langjährigen Schweizer Sorgendisziplin als Duo der Zukunft an. Von Junioren-Weltmeisterschaften verbuchen sie gemeinsam neun Titel, gesamthaft zwölf Medaillen. Eine derart frühe Etablierung im Weltcup ist für Junioren-Weltmeister nicht selbstverständlich; vor allem Odermatt weiss aus nächster Nähe, wie steil und steinig der Weg sein kann.

Reto Schmidiger, den dreifachen Weltmeister aus den Jahren 2010 und 2011, nennt er als sein frühes Vorbild, die beiden wuchsen quasi gemeinsam auf, Schmidiger war Blumenkind, als Odermatts Eltern heirateten. Schmidiger ist seit bald neun Jahren im Weltcup dabei, eine derart gute Klassierung wie Odermatt in Val-d’Isère gelang ihm aber noch nicht.

In der Schweizer Riesenslalomgruppe scheint eine neue Dynamik zu herrschen. Obwohl der Teamleader Justin Murisier verletzt fehlt, haben nach erst zwei Rennen mit Tumler, Meillard und Odermatt schon drei Fahrer die WM-Selektionskriterien erfüllt. Es ist ein grosser Unterschied zu früheren Jahren, etwa zur Saison 2016/17, als nach dem sechsten Rennen, dem Heimspiel in Adelboden, erst einem Fahrer die WM-Teilnahme gewiss war.