FCSG-Trainer Zeidler vor der Reifeprüfung gegen Xamax: «Es herrscht keine

Nach 16 Spielen gibt es eine Tabelle, die der FC St. Gallen anführt. Die Ostschweizer sind laut der Website «Leading Sport» das dominanteste Team der Super League. Den Berechnungen liegen verschiedene Werte zu Grunde – beispielsweise Abschlüsse auf das Tor, verpasste Möglichkeiten oder geblockte Schüsse. «Natürlich weiss ich von dieser Statistik. Aber lieber wäre mir, wir hätten mehr Punkte», sagt Trainer Peter Zeidler. Denn viel kaufen kann sich der FC St. Gallen von der Dominanz bis anhin nicht.

Die Ostschweizer haben unter Zeidler zwar die Basis gelegt, um so zu spielen, wie es der Coach verlangt. Aber in der relevanten Tabelle ist es für die Ostschweizer in den vergangenen Wochen enger geworden.
St. Gallen bekommt weiterhin zu viele Tore. Zudem hatte zuletzt bei den Grasshoppers die starke Reaktion nach der Pause keine positiven Folgen und in Thun belohnte sich das Team nicht für die anfängliche Dominanz. Die Folge: St. Gallen hat in den vergangenen zwei Spielen nur ein Tor erzielt. Nun befinden sich die Ostschweizer nach drei Niederlagen in Folge erstmals unter dem neuen Trainer in einer Baisse. Verlieren sie am Samstag gegen das letztklassierte Xamax, beträgt ihr Vorsprung auf die Neuenburger eine Runde vor der Winterpause nur noch vier Punkte. Gewinnen die St. Galler aber gegen die Romands und sichern sie sich eine Woche später auch in Luzern einen Punkt, ist ihre Bilanz bei Saisonhälfte genau gleich gut wie vor einem Jahr zu diesem Zeitpunkt.
Die heutige Partie ist für den weiteren Weg der neuzusammengesetzten Mannschaft also kapital, auch wenn Zeidler am Tag davor dem Spiel die Brisanz nehmen will. «Es gab keine Punkte in den vergangenen Wochen. Das können wir nicht mehr ändern. Aber ich spüre im Team keine Verkrampfung.» Natürlich herrsche keine Streichelzoo-Atmosphäre.

«Wir müssen unsere Wut
in die richtigen Bahnen lenken.»

Der Trainer betont noch mehr als in den vergangenen Monaten, wie wichtig das Publikum im Kybunpark ist. «Ich baue auf die Unterstützung», sagt er. Der 56-jährige Schwabe will die Zuschauer mit ins Boot holen. Oft habe in den vergangenen Partien bei St. Gallen das Mentale mitgespielt, sagt er. Der Knick im Team in Thun nach dem vergebenen Penalty oder die Startphase bei den Grasshoppers, als man im Knallpetardenlärm und Pyronebel unkonzentriert zur Sache gegangen war. «Vieles wird sich auch am Samstagabend im Mentalen abspielen.» Einen mentalen Schub erhofft sich der Coach vom Publikum.
Am vergangenen Samstag in Thun sah sich der harte Kern der Anhänger erstmals gezwungen, seinen Unmut mit Pfiffen kundzutun. «Die Fans haben ein feines Gespür. Sie haben gemerkt, dass nach dem 0:1 kein Ruck durch das Team gegangen ist», sagt Zeidler. «Und wenn ein, zwei Spieler in ihrer Haltung nur leicht nachlassen, merkt das der Fan sofort. Die Pfiffe waren nachvollziehbar. Wir mussten zuhören und uns Gedanken machen.» Seine Mannschaft ist nach wie vor zu wenig stabil, auf Rückschläge reagiert St. Gallen weiterhin viel zu hektisch. «Wir sind zu einfach aus dem Konzept zu bringen», sagt Zeidler. Auch wenn kommende Woche auswärts noch eine Partie gegen Luzern ansteht: Den Eindruck, den der FC St. Gallen heute im Spiel gegen Xamax hinterlässt, wird beim heimischen Publikum
für eine Weile haften bleiben.

57 Tage werden danach vergehen, bis die St. Galler im Kybunpark Anfang Februar zur Rückrunde starten. Immerhin: Der Blick zurück zeigt, dass die Ostschweizer in Sachen Jahresendheimspiel eine gute Bilanz aufweisen. Seit 2011 haben sie in diesen Partien stets gepunktet. Zwei Unentschieden und vier Siege stehen zu Buche. Die letzte Niederlage, die man zu Hause vor der Winterpause erlitt, stammt aus dem Jahr 2010. Die schlechte Nachricht: Es war damals Xamax, das St. Gallen mit einem 2:0 in den Tabellenkeller stiess – aus dem es bis Ende Saison nicht mehr herausfand.

Das letzte Heimspiel des Jahres gegen Xamax mobilisiert die ­Anhänger des FC St. Gallen noch einmal. Bereits am Freitagmittag waren 11 400 Tickets abgesetzt. Damit ist der drittbeste Wert nach den Heimspielen gegen Basel und den Young Boys (je rund 14 500 Zuschauer) zu erwarten. Trainer Peter Zeidler spricht von einer grossen Vorfreude bei ihm und den Spielern, nach zwei Auswärtspartien wieder zu Hause anzutreten. Auch lobt er die zuletzt unerwartet guten Trainingsbedingungen: Das Abschlusstraining konnte gar im Kybunpark durchgeführt werden. «Vom angeblich garstigen St. Galler Wetter habe ich bisher wenig mitbekommen.» Gleichzeitig spricht er mit einem Augenzwinkern vom möglichen Wintereinbruch just auf das Spiel hin: «Ich habe gehört, das sei richtiges St. Galler Wetter, was für uns sprechen soll.»
Gegner Xamax liegt am Tabellenende, hat aber von den vergangenen neun Partien nur zwei verloren. Die Romands überzeugten offensiv, weniger in der Defensive. «Xamax ist schlicht zu gut – wir können es gar nicht unterschätzen», so Zeidler. Auswärts gegen Xamax war St. Gallen im September ein später Sieg gelungen – beim 3:2 war Cedric Itten im Mittelpunkt gestanden. Nebst dem verletzten Stürmer werden dem Trainer heute auch Philippe Koch und Miro Muheim nicht zur Verfügung stehen. Wobei die zwei Letzteren nach ihren Verletzungen auf dem Weg zurück seien. (rst)