Der Mann zwischen Trump und Unihockey

SRF-Korrespondent Peter Düggeli coachte das Unihockeyteam 2008 zu WM-Bronze. Er wünscht sich amerikanisches Selbstvertrauen im Schweizer Team.

Über die Politik von Donald Trump berichten oder die Schweiz an der Unihockey-WM betreuen: Peter Düggeli, was macht mehr Spass?

Über Trump zu berichten, das ist viel, viel, viel intensiver. Aber du kriegst wohl nirgends solche Emotionen, wie sie dir der Sport geben kann. Diesen Moment, als wir 2008 in Prag Bronze geholt haben: So etwas kannst du mit Politik und Trump nicht vergleichen. Auch wenn es bei Trump manchmal ebenfalls emotional zu- und hergeht. (lacht)

image2008: Nationalcoach Peter Düggeli jubelt nach WM-Bronze in Prag. Foto:
Aleksandar Djorovic (Imago)

Wie würden Sie den Amerikanern Unihockey beschreiben?

Die Amerikaner schaffen schon, sich das vorzustellen. Sie kennen «field hockey» oder «indoor hockey». Dann erklärst du ihnen, dass die Stöcke anders sind und der Ball Löcher hat. Meine Frau spielt übrigens einmal in der Woche Unihockey mit ausgewanderten Frauen und Männern aus Skandinavien und Tschechien.

Sie haben die letzte WM in Prag erwähnt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Turnier?

Wir hatten den Halbfinal gegen Schweden 2:3 nach Verlängerung verloren. Bei der Teamsitzung am Abend standen einige Spieler auf und appellierten eindringlich, wieder aufzustehen, um am nächsten Tag Bronze zu holen – um jeden Preis. Das hat mich sehr beeindruckt. Es folgte die wohl emotionalste Partie, die ich als Trainer erlebt habe.

Die Schweiz siegte vor 14’000 Zuschauern gegen Tschechien 5:4 nach Verlängerung.

14’000 Tschechen in der Halle! Da dachtest du im ersten Moment: Dieser Hexenkessel wird uns emotional fertigmachen. Aber wir haben die Kulisse als Highlight betrachtet. Sie hat uns stärker gemacht. Das Siegestor durch Simon Stucki schaue ich mir ab und an auf Youtube an. Awesome!

«Diesen Moment, als wir in Prag Bronze geholt haben: So etwas kannst du mit Politik und Trump nicht vergleichen.»

Sie gehörten an drei Titelkämpfen zum Trainerstab. Jedes Mal war der Halbfinal Endstation. Das Scheitern zieht sich durch die Geschichte.

In mentaler Hinsicht war die Hauptaufgabe vor dem Halbfinal immer, all das Nagende, all die mühsamen Erinnerungen zu zerstören. Und auch dafür zu sorgen, dass gewisse Ängste während des Spiels nicht wieder aufkommen, sollten wir in Rückstand geraten. Wir haben das gut hingekriegt – es hat trotzdem nie gereicht. (lacht)

Einmal mehr ist Rekordweltmeister Schweden im Halbfinal der Gegner. Die aktuelle Schweizer Auswahl besteht aus vielen jungen, forschen ­Spielern. Ist das ein Vorteil?

Auf jeden Fall. Wir brauchen unerschrockene, unbelastete Spieler, wie wir sie jetzt offenbar haben. Unbedingt. Sich viel vornehmen, aber im entscheidenden Moment mental zerbrechen: Das passiert uns Schweizern zu oft, auch im Sport. In den USA herrscht eine andere Kultur. Die konsequente, kompromisslose Orientierung an die Spitze, mit ausgefahrenen Ellbogen, diese Haltung wird gesellschaftlich akzeptiert und nicht abgelehnt wie in der Schweiz. Wer sich in dieser individualisierten Gesellschaft und dem kapitalistischen System durchsetzen will, der muss nicht nur sehr gut sein, sondern unerschütterlich an sich glauben. Dieses amerikanische Selbstvertrauen wünsche ich den Schweizern im Halbfinal – und am Sonntag im Final!

Sie verliessen das Unihockey 2010, traten als Trainer in Chur zurück, um beim Fernsehen den Job als Wirtschaftsredaktor anzunehmen. Haben Sie den Abgang nie bereut?

Ich musste Chur quasi Hals über Kopf verlassen, hätte die Saison sehr gerne zu Ende gecoacht. Das Team war grossartig. Aber mit 40 Jahren noch zum Fernsehen gehen zu können – diese Möglichkeit erhalten die wenigsten. Die Chance musste ich packen.

Und jetzt sind Sie seit drei Jahren SRF-Korrespondent in Washington.

Ach, mein Lebensmotto ist: Ich kenne das Ziel nicht, aber unterwegs gebe ich Gas. Es ist oft eine Frage des Glücks, des Zufalls. Nun bin ich in Washington. Ich liebe meinen Job und begleite sehr gerne nochmals einen Präsidentschaftswahlkampf.

Was ist wahrscheinlicher: Ein «Impeachment», also eine Amtsenthebung von Präsident Trump? Oder WM-Gold im Unihockey für die Schweiz?

Also mit «Impeachment» meinen Sie, dass er wirklich abgesetzt wird, nicht dass er vorher zurücktritt, und nicht dass ihn nur eine Kammer «impeacht», sondern beide Kammern, also dass er wirklich weg ist? In diesem Fall …

… Sie scheinen der Schweiz kein Gold zuzutrauen …

… (lacht) Doch, WM-Gold! Es ist höchste Zeit.

Trump liefert viele Geschichten. Sie als Korrespondent würden eine Amtsenthebung mit Sicherheit bereuen.

Die USA sind auch sehr interessant ohne Präsident Trump, seine Tweets, seine Politik. Ein tolles Land, unglaublich divers, ­widersprüchlich und zerrissen darob, wie der Weg in die Zukunft aussehen soll. Das macht meine Arbeit so spannend.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.12.2018, 12:09 Uhr