Wappler hat beim MDR noch nicht gekündigt

Die gewählte SRF-Direktorin Nathalie Wappler (50) hat beim MDR noch nicht gekündigt. Ihr Wechsel an die SRF-Spitze laufe aber nach Plan, heisst es. Dennoch wird spekuliert, ihr Stellenantritt könnte sich verzögern.

Nathalie Wappler (50) konnte nach ihrer Wahl zur SRF-Direktorin am Montag selbst Zweifler um den Finger wickeln. Zugänglich und charmant präsentierte sich die neue SRF-Direktorin und liess Kritik an ihrer Person verstummen, sie habe früher als SRF-Kulturchefin einen ruppigen Umgang gepflegt. Ein paar Fragen zum Wahlverfahren hielten sich aber trotzdem hartnäckig: etwa ob alle zuletzt übrig gebliebenen acht Kandidaten auch wirklich Chancen hatten; oder ob Wappler nicht doch schon frühzeitig gesetzt und damit über bereits gefasste personelle und betriebswirtschaftliche Entscheide orientiert war. 

Vertrag läuft noch bis Ende 2021

Für Unruhe sorgte diese Woche, dass Wappler, die einen Fünfjahresvertrag mit dem MDR hat – er läuft erst Ende 2021 aus –, noch nicht gekündigt hat. Sie will ihre Stelle bei SRF aber schon im April 2019 antreten. Das könnte eng werden. Der noch amtierende Direktor Ruedi Matter (65) müsste dann länger bleiben und wichtige Entscheide treffen, etwa beim Bau des neuen Newsrooms. Das passt nicht allen.

Auf Anfrage beruhigen sowohl MDR als auch SRF in Absprache und zeitgleich: Alles sei auf besten Wegen. «Die dazu notwendigen Gespräche zwischen Nathalie Wappler, SRG und MDR finden nun statt, nachdem Frau Wappler von den zuständigen Gremien gewählt worden ist», teilte MDR-Unternehmenssprecher Walter Kehr mit. Bei SRF wird aber intern spekuliert, dass ihr frühzeitiger Abgang an Bedingungen geknüpft sein könnte. Von einer hohen Ablösesumme ist sogar die Rede.

Das sei «schlicht Unsinn», heisst es beim MDR – und auch SRF dementiert. Tatsächlich besteht zwischen den Sendern eine enge Freundschaft. Eine Ablösung könnte auch über Programmeinkäufe geregelt werden.

Klar ist: Der Wechsel zu SRF bedeutet für Wappler auch einen Lohnsprung. Denn den Job des Programmdirektors musste sie beim MDR mit einem Kollegen teilen. Wie viel sie verdienen wird, wollte sie gegenüber SonntagsBlick nicht verraten. Ihr Vorgänger Ruedi Matter bezifferte seinen Lohn einst «auf rund 400’000 Franken», das ist auch im SRG-Geschäftsbericht 2017 so vermerkt. Ob es bei Wappler weniger ist – im Zuge der No-Billag-Diskussion wurde auch der Lohn der Führungsspitze debattiert – ist unklar.

Stellvertreter Schoch will bleiben

Noch nicht sicher ist , ob Hansruedi Schoch (52), bisher Programmdirektor und Stellvertreter Ruedi Matters, SRF verlassen wird. Er war selber im Rennen für den Posten des Direktors. Sein Verhältnis zu Wappler sei nicht immer harmonisch gewesen, Schoch soll Wappler vor zwei Jahren sogar zum MDR verjagt haben. Zum Erstaunen vieler tat Schoch aber diese Woche intern mehrmals kund, dass er sich vorstellen könne, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Viele gehen indes davon aus, dass sich die neue SRF-Chefin für einen anderen Stellvertreter entscheiden wird. Die Namen von TV-Chefredaktor Tristan Brenn (53) und Lis Borner, Chefredaktorin Radio, werden genannt. Chancen könnte auch der ehemalige «Tagesschau»-Chef Urs Leuthard (55) haben – er hat die Gesamtleitung beim Newsroom.