«Zeichensprache? Mal schauen»

Würde FCB-Coach Marcel Koller beim Spiel gegen Thun mit seinen Spielern kommunizieren wollen, müsste er tief in die Trickkiste greifen.

«Handy, Headset, alles ist verboten» stellt Marcel Koller die Sachlage seiner Kommunikationsmöglichkeiten klar. Sobald der «Bebbibus» im Berner Oberland einrollt, gehen Spieler und Cheftrainer des FCB getrennte Wege. Auch den Kontakt zu seinen Assistenten muss Koller einstellen. Der Grund: Koller wurde beim letzten Heimspiel gegen den FC Lugano vom Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt. Er hatte beim Wegkicken eines Balles unabsichtlich den Linienrichter getroffen.

Nun ist Koller für ein Meisterschaftsspiel gesperrt. So will es die Liga. Einen Rekurs wollte der FC Basel nicht einleiten. Zu gross war die Angst bei Rotblau, dass sich der ganze Prozess unnötig verlängert und zu klein die Aussichten auf eine Aufhebung der Sperre.

«Ich ging niemandem an die Gurgel»

Viel Verständnis hat Koller für seine Verbannung auf die Tribüne aber nicht. Er gesteht zwar ein, einen Fehler begangen zu haben, aber sei er doch «niemandem an die Gurgel gegangen» und habe zudem auch niemanden «umgefräst». Solche Bilder sahen die Zuschauer im Joggeli an anderen Tagen, zum Beispiel im Jahr 2009 nach einem Spiel des FCB gegen den FC Zürich:

So extrem war Kollers Vergehen nicht: Franco Costanzo (links) attackiert seinen Mitspieler Beg Ferati. (Bild: Keystone)

Vertauschte Rollen

Koller spricht seinen Assistenten, allen voran Thomas Janeschitz, sein vollstes Vertrauen aus. Dennoch beschreibt er die Sperre als «grossen Einschnitt». Er könne vor dem Spiel nicht der eigenen Mannschaft auf den Puls fühlen, vielleicht noch reagieren, wenn die gegnerische Aufstellung hereinflattert und auch während der Partie gerieten die Abläufe durcheinander. Normalerweise bekomme Koller verschiedenste Informationen von seinen Assistenten und fälle dann das definitive Urteil. Jetzt liegt die Entscheidungsmacht bei den Assistenten selbst.

Positive Bilanz

Der FCB sollte es verkraften können. Schliesslich zählt mit Carlos Bernegger auch ein Ex-Super League Trainer zu den Basler Assistenten und die rotblaue Bilanz gegen Thun spricht Bände. Die letzte Niederlage gegen die Berner Oberländer musste Rotblau 2012 hinnehmen. Damals zog Luca Zuffi noch auf Seiten des FC Thun die Fäden im Mittelfeld.

Nur Rot, kein Blau. Beim letzten Thuner Sieg gegen Basel im jahr 2012 kämpfte Luca Zuffi noch im Thuner Dress. (Bild: Keystone)

Keine Zeichensprache

Ob er schon Zeichen mit seinen Assistenten abgemacht habe, wird Koller von belustigten Journalisten gefragt. «Mal schauen», blufft der FCB-Trainer schmunzelnd. Es ist aber kaum anzunehmen, dass sich Koller mit dem Verband anlegt. Zu sehr reizt es ihn, wieder auf der Trainerbank Platz zu nehmen. Gegen Thun wird er aber für einmal die gleiche Aussicht haben wie die mitgereisten FCB-Anhänger.