Trump nennt Macron nach Twitter-Ausbruch wieder «guten Freund»

Nach seiner Twitter-Tirade schlug US-Präsident Donald Trump beim Treffen mit dem französischen Staatschef  wieder versöhnliche Töne an. Auch Emmanuel Macron gab sich betont freundschaftlich.

Der US-Präsident hatte sich aufgebracht über die Idee des französischen Staatschefs für ein gemeinsames europäisches Militär geäussert. Macrons Büro sagte, Trump habe da was missverstanden. Beim persönlichen Treffen sagt dieser, man sei im Vielem einer Meinung.

Der amerikanische Präsident Donald Trump und der französische Staatschef Emmanuel Macron sind sich nach ihrer jüngsten Kontroverse wieder betont freundschaftlich begegnet. Bei einer persönlichen Begegnung im Élysée-Palast ignorierten beide Journalistenfragen zu Macrons Vorschlag zur europäischen Sicherheit, die Trump in einem Tweet als «sehr beleidigend» bezeichnet hatte.

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Daumen nach oben: US-Präsident Donald Trump wird von dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron begrüsst.Jacquelyn Martin/AP/dpa

Beide Präsidenten begrüssten sich im Hof zunächst mit Handschlag und wandten sich den Reportern mit erhobenem Daumen zu. Im Empfangssaal bezeichneten Trump und Macron sich gegenseitig als gute Freunde; Macron fasste Trump sogar ans Knie. Trump sagte, sie seien über die vergangenen paar Jahre «sehr gute Freunde» geworden und in vielen Fragen ähnlicher Meinung. Macron nannte Trump «meinen guten Freund».

Trump sicherte Europa bei dem Treffen den weiteren militärischen Beistand der USA zu. «Wir wollen Europa helfen, aber es muss fair sein», sagte er. Bislang trügen die USA die Hauptlast. Nach dem wütenden Tweet Trumps vom Freitag waren die beiden Staatschefs um Harmonie bemüht.

Trump hatte es als «beleidigend» bezeichnet, dass Macron ein europäisches Militär aufbauen wolle. Macron verteidigte die Idee und sagte: «Ich teile Präsident Trumps Ansichten, dass wir eine viel bessere Lastenaufteilung mit der Nato brauchen.» Er glaube, dass sein Vorschlag für eine europäische Verteidigung vollkommen im Einklang damit stehe. «Es ist unfair, dass die europäische Sicherheit heute von den USA gewährleistet wird», sagte Macron. «Deshalb glaube ich, wir brauchen mehr europäische Kapazitäten und mehr Verteidigung, um diesen Teil der Last zu tragen.» Auch er nannte Trump seinen guten Freund.

Trump sagte, vom Standpunkt der Fairness aus kämen er und Macron miteinander aus. Trump ist anlässlich des Gedenkens an den 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs in Frankreich.

Am Freitagabend hatte Trump getwittert, Macron habe den «sehr beleidigenden» Vorschlag gemacht, dass Europa ein eigenes Militär aufbaue, um sich vor den USA, China und Russland zu schützen. Aus Macrons Büro hiess es, Trump habe dessen Aussagen missverstanden. Trump habe zwei verschiedene Äusserungen Macrons zusammengetan.

Aus Macrons Präsidialamt verlautete, die US-Regierung habe Gesprächen mit den Nato-Partnern über ihren geplanten Rückzug aus dem Abkommen zum Verbot atomarer Mittelstreckenraketen zugestimmt. Auch darüber sei bei dem Treffen der beioden Präsidenten am Samstag gersprochen worden.

Das Weisse Haus äusserte sich zunächst nicht dazu, aber Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton hatte am Freitag gesagt, die USA seien «in sehr engen Konsultationen» mit Verbündeten über das Abkommen und «sehr optimistisch für eine gemeinsame Position».

USA und Nato haben Russland beschuldigt, gegen den INF-Abrüstungsvertrag zu verstossen. Trumps Entscheidung, den Vertrag einseitig aufzukündigen, hat in Europa Sorgen hervorgerufen.

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