Mit Vorsicht und mehr Produktivität

München –

Es wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Drei Wochen bevor Allianz-Chef Oliver Bäte Details einer neuen Strategie präsentiert, sonnt sich Europas größter Versicherer in überraschend gut laufenden Geschäften. „Die Allianz hat in den ersten neun Monaten 2018 sehr gute Ergebnisse über alle Geschäftsbereiche gezeigt, zu denen auch beträchtliche Produktivitätssteigerungen beitragen“, sagte Bäte zur Vorlage einer Zwischenbilanz in München. Nach einem Gewinnsprung im dritten Quartal von einem Fünftel haben sich die operativen Allianz-Gewinne vor Steuern und Zinsen nun bis Ende September um rund fünf Prozent auf 8,8 Milliarden Euro erhöht.

Finanzchef Giulio Terzariol zeigte sich zuversichtlich, dass der Assekuranzriese bis Jahresende das obere Ende seiner bisherigen Jahresprognose von 10,6 bis 11,6 Milliarden Euro operative Gewinne erreicht. Dazu hätten Produktivitätssteigerungen bislang 100 Millionen Euro beigetragen. Zudem wächst die Allianz im Umsatz bemerkenswert stark. Nach neun Monaten hat die Allianz damit knapp 98 Milliarden Euro umgesetzt.

Die Steigerungen, die nur zum kleineren Teil auf Preiserhöhungen zurückgehen, seien auch von der guten Konjunktur begünstigt, räumte Terzariol ein. Auch ohne solchen Rückenwind hält er aber in der Sparten Schaden- und Unfallversicherung drei bis fünf Prozent mehr Umsatz dauerhaft für möglich sowie jeweils gut fünf Prozent mehr in der Lebens- und Krankenversicherung. Sollte das so kommen, nimmt es Druck vom Personal. Denn die Allianz digitalisiert sich umfassend.

Details einer erneuerten Strategie will Bäte Ende November vorlegen. Dabei steht vor allem die Schaden- und Unfallversicherung als wichtigstes Allianz-Geschäftsfeld im Fokus. Geplant ist unter anderem der Aufbau eines neuen Direktversicherers. Lebenspolicen hat das Management bereits mit neuen, garantiereduzierten Produkten auf Vordermann gebracht. Die Marge im Neugeschäft ist hier aktuell von 3,4 auf 3,5 Prozent gewachsen. Auch die Geschäfte in der Vermögensverwaltung ziehen wieder an. Dem Allianz-Vermögensverwalter Pimco und Allianz Global Investors sind hier allein im dritten Quartal trotz wackliger Aktienmärkte 15 Milliarden Euro an frischen Mitteln zugeflossen. Insgesamt verwaltet der Konzern damit nun die neue Rekordsumme von über zwei Billionen Euro.

In der Schaden- und Unfallsparte hat die Allianz dagegen noch größeren Umbaubedarf, sagt Bäte. Gleichwohl geht es auch hier nach neun Monaten 2018 aufwärts. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Münchner Risiken aus dem Weg gegangen sind und damit ihre Schadenquote auf vorzeigbare 94 Prozent gesenkt haben.

„Unser Risikoappetit ist gering“, betonte Terzariol. An den Naturkatastrophen des Jahres ist die Allianz im Vergleich zu manch Konkurrenten nur gedämpft beteiligt und auch die Schäden aus dem jüngsten Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua sind finanziell überschaubar. Dafür muss die Allianz 30 Millionen Euro berappen.