Lutheraner: Franziskus ist kein „evangelischer“ Papst

Catholica-Beauftragter

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/Daniela Städter

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. Foto: idea/Daniela Städter

Würzburg (idea) – Papst Franziskus ist „nicht einfach ein undogmatischer oder gar ,evangelischer‘ Papst, sondern er scheint im Kern recht und streng katholisch“. Dieser Ansicht ist der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg). Bisweilen könne der Papst auffällig streng und brüsk formulieren sowie auftreten. „Der Anspruch der römisch-katholischen Kirche als jener Kirche, die die Fülle Christi abbildet, steht für ihn nicht infrage, auch wenn er Lehrfragen nicht in den Vordergrund rücken will“, sagte Manzke am 10. November in Würzburg vor der Generalsynode der VELKD und der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Die „gemeinsame Weltverantwortung der Christenheit“ und die spirituelle Gemeinschaft der Konfessionen seien für Franziskus aber die entscheidend wichtigen Handlungsfelder in der ökumenischen Gemeinschaft der Kirchen. Für eine Einschätzung, wie weit sein Pontifikat die katholische Kirche entscheidend verändern könne, sei es noch zu früh.

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Kommunions-Kompromiss ist ein „Paradigmenwechsel“

Die von der römisch-katholischen Kirche herausgegeben Orientierungshilfe zur Öffnung der Kommunion für nichtkatholische Ehepartner bewertete Manzke als „einen wichtigen Schritt nach vorne“. Der Text war nach längeren Debatten nicht als offizielles Dokument der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz erschienen, sondern als Orientierungshilfe, deren Handhabung in der Verantwortung der einzelnen Bischöfe liegt. Dem Papier zufolge ist die Teilnahme nun in Einzelfällen möglich, wenn eine „schwere geistliche Notlage“ vorliegt, weil ein „echtes Verlangen nach der Kommunion nicht gestillt wird“. Die Orientierungshilfe sei ein „Paradigmenwechsel im seelsorgerlichen Umgang mit den Gläubigen in der katholischen Kirche“, so Manzke.

Schwächen des Textes nicht verschweigen

Allerdings sollten auch die Schwächen des Textes nicht verschwiegen werden. Es sei „nicht ganz unproblematisch“, dass die Zustimmung zum Eucharistieverständnis der katholischen Kirche auf der Basis des eucharistischen Hochgebetes eingefordert werde. Das dritte Hochgebet etwa enthalte Aussagen, die „hinsichtlich des Verständnisses der Eucharistie als ergänzendes Opfer der Kirche kontrovers-theologisch sehr fragwürdig sind“. Besonders schmerzlich sei es für Partner in konfessionsverbindenden Ehen, dass katholische Partner weiterhin nicht am evangelischen Abendmahl teilnehmen dürften. Die Bischofskonferenz hatte sich im Februar mehrheitlich auf eine Pastorale Handreichung geeinigt, wonach nichtkatholische Ehepartner im Einzelfall die Kommunion empfangen können, also etwa evangelische Christen. Sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki baten daraufhin den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung von einer einzelnen Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Der Papst kam zu dem Ergebnis, dass das Dokument noch nicht zur Veröffentlichung reif sei. Die deutschen Diözesanbischöfe verständigten sich anschließend auf den Kompromiss einer Orientierungshilfe.

Schad: Dankbar für „ökumenische Meilensteine“

Dankbar für „ökumenische Meilensteine“ zeigte sich der evangelische Vorsitzende des Kontaktgesprächskreises von EKD und (katholischer) Deutscher Bischofskonferenz, der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad (Speyer). Dazu zähle der Austausch zwischen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und dem Päpstlichen Rat der Förderung der Einheit der Christen. Durch eine am 16. September in Basel unterzeichnete Erklärung komme es erstmals über das Verständnis von Kirche und Kirchengemeinschaft zu einem offiziellen Dialog des Vatikans mit einer Gemeinschaft von Kirchen, der auf evangelischer Seite lutherische, reformierte, unierte und methodistische Vertreter angehörten. Damit verlasse „Rom“ seine bisherige Linie, als Weltkirche nur mit den weltweit organisierten Kirchenbünden offizielle Dialoge zu führen – etwa mit dem Lutherischen Weltbund, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen oder dem Weltrat methodistischer Kirchen.

Um welche kirchliche Einheit soll es gehen?

Schad befasste sich ferner mit der Einheit der Kirchen. Die Kernfrage sei, ob ein Konsens möglich sei, der sowohl das „Extrem einer uniformen Einheit als auch das Extrem einer unverbindlichen Vielfalt“ vermeide zugunsten einer Einheit, die „mit dem Zusammenwohnen in einer Hausgemeinschaft vergleichbar“ sei. Die Herausforderung für die katholische Kirche bestehe darin, dass sie in ihren Konzepten zur Einheit von den evangelischen Kirchen nicht mehr verlangen dürfe als von ihren eigenen Mitgliedern. Bei den Protestanten gehe es um die Frage, wie die bleibende Vielfalt so gestaltet werden könne, dass die sichtbare Einheit nicht in Zweifel zu ziehen sei: „Diese Herausforderungen anzunehmen, hat nicht bloß etwas mit wechselseitiger Wertschätzung des ökumenischen Partners gerade in seinem Anderssein zu tun, sondern mit einem Geist der Demut, der dem Gegenüber eine geistliche Einsicht zuerkennt, die man selbst bisher nicht oder nicht so klar im Blick hatte.“