Das Handy macht die Biege

Elektronik


Samsung will mit einem Aufklapp-Display den Markt aufmischen. Lassen sich App-Entwickler und Nutzer überzeugen?

Von Axel Postinett



10. November 2018

11:00 Uhr

FlexPai-Smartphones mit klappbarem Bildschirm des chinesischen Herstellers Royole liegen auf einem Tisch. Neben Royole hat auch Samsung ein Gerät mit klappbarem Display angekündigt. Foto: Michael Liedtke/dpa
FlexPai-Smartphones mit klappbarem Bildschirm des chinesischen Herstellers Royole liegen auf einem Tisch. Neben Royole hat auch Samsung ein Gerät mit klappbarem Display angekündigt. Foto: Michael Liedtke/dpa

San Francisco.Dieser Samsung-Prototyp wirkt erst wie ein gewöhnliches Smartphone – doch das Gerät
lässt sich wie ein Buch aufklappen und hat im Inneren ein zweites faltbares Display
in der Größe eines kleinen Tablets. Auf diesem 7,3 Zoll (18,5 cm) großen Bildschirm
können bis zu drei Apps gleichzeitig laufen. „Das biegsame Display ist die Basis für
das Smartphone von morgen“, schwärmt Samsung-Manager Justin Denison in San Francisco.

Ein Samsung-Telefon, in dem sich ein zweiter faltbarer Bildschirm in der Größe eines
kleinen Tablets versteckt, könnte im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Die Produktion
der entsprechenden „Infinity Flex Displays“ soll jedenfalls in den nächsten Monaten
anlaufen.

Der nächste Schritt

„Das nächste große Ding“ im Smartphone-Markt soll nicht von Apple, sondern von Samsung
aus Südkorea kommen. 2007 hatte das iPhone mit seinem großen berührungsempfindlichen
Display den Handy-Markt revolutioniert und das Ende der Tastaturtelefone eingeleitet.
Seitdem wurden Smartphones immer dünner und ihre Bildschirme immer größer – aber ihre
Grundform mit dem Touchscreen als Mittelpunkt bleibt unverändert. Jetzt will Samsung
den nächsten Schritt mit einem Falt-Display gehen.

Google ist mit im Boot: Das Betriebssystem Android werde den Bildschirm vollständig
unterstützen, versichert Glen Murphy vom Internet-Konzern auf der Samsung-Entwicklerkonferenz.
Viele Details blieben bei der Präsentation des Prototypen in San Francisco allerdings
buchstäblich im Dunkeln: Das Licht auf der Bühne war so runtergedreht, dass man fast
nur die Displays leuchten sah. So blieb unklar, wie dick das zusammengefaltete Gerät
ist – und wie Samsung den Falt-Mechanismus gestaltete. Später wurden einige wenige
Details veröffentlicht. Daraus wurde immerhin klar, dass das „klassische“ Display
auf der Außenseite mit einer Diagonale von 4,58 Zoll (11,6 cm) nach heutigen Verhältnissen
eher klein ausfällt. Zudem bekommt es einen dicken Rahmen oben und unten – etwas,
wovon sich die Industrie eigentlich gerade verabschiedet.

„Das biegsame Display ist die Basis für das Smartphone von Morgen.“

Justin Denison, Samsung-Manager

Samsung ist seit Jahren der Marktführer im Smartphone-Geschäft nach der Zahl verkaufter
Smartphones – wird aber zunehmend von chinesischen Rivalen unter Druck gesetzt. Im
vergangenen Quartal sank der Absatz von Samsung-Smartphones nach Zahlen des Marktforschers
IDC im Jahresvergleich um 13,8 Prozent auf 72,2 Millionen Computer-Handys und einen
Marktanteil von noch 20,3 Prozent. Auf dem zweiten Rang steigerte der chinesische
Anbieter Huawei seine Verkäufe um fast ein Drittel und kam mit 52 Millionen Smartphones
auf einen Marktanteil von 14,6 Prozent. Apple sehen die Analysten von IDC auf Platz
drei bei einem Marktanteil von 13,8 Prozent – aber dank der teuren iPhones sichert
sich der Konzern den Großteil der Gewinne in dem Geschäft.

Zu Samsungs Zukunftskonzept gehören auch eine neue Benutzeroberfläche namens „One
UI“ und eine intelligenter Sprachsteuerung. Diese Rolle soll für Samsung Bixby übernehmen,
ein Digitalassistent, der Amazons Alexa und Apples Siri herausfordert. Samsung will
22 Milliarden Dollar in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz investieren. Die deutschsprachige
Version von Bixby solle in wenigen Monaten eingeführt werden, hieß es in San Francisco.
Damit wird dann auch die bislang in Deutschland nutzlose „Bixby-Taste“ an neueren
Samsung-Smartphones einen Sinn bekommen. In den USA bekam Bixby allerdings bisher
wenig schmeichelhafte Kritiken.

Auf Google angewiesen

Justin Denison stellt das Infinity Flex Display vor. Foto: Eric Risberg/dpa
Justin Denison stellt das Infinity Flex Display vor. Foto: Eric Risberg/dpa

DJ Koh, der Chef von Samsungs Mobilfunksparte, hat zwei Tage Zeit, um die rund 5000
Softwareentwickler und Partnerfirmen von seiner Vision zu überzeugen. Denn er steht
vor einem Problem. Anders als damals Apple kontrolliert er nicht das Betriebssystem
seines Smartphones. Samsung setzt auf Android und ist auf Googles Unterstützung angewiesen.
Koh muss die Entwickler auf seine Seite ziehen. Passen sie ihre Anwendungen und Apps
nicht an, bleibt das Falt-Telefon eine Hülle ohne Inhalt.

Samsung, betont Koh, verkaufe 500 Millionen Geräte jedes Jahr, von Haustechnik bis
zum Fernseher. Bis 2020 sollen alle Geräte vernetzt sein und immer mehr von ihnen
werden Bixby bekommen. Bereits 2021, so die Samsung-Marktforscher, werde die Zahl
der großen Smartphones die der gewöhnlichen Modelle übersteigen. Mit dem Falt-Phone,
das in jede Anzugtasche passt, will Samsung dann ein attraktives Produkt anbieten
können.

Denn der Smartphone-Primus kann nicht davon ausgehen, die neuen Gerätekategorie für
sich allein zu haben. Inzwischen werden Smartphones mit faltbaren Bildschirmen unter
anderen auch von den chinesischen Herstellern Huawei, Xiaomi und Lenovo erwartet.
Und der südkoreanische Samsung-Konkurrent LG zeigte bereits den Prototypen eines großen
Fernseher-Displays, das sich zusammenrollen lässt.

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