Argentinien steht Kopf: Heute ist kein Tag wie jeder andere

Im Final der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League, kommt es zum argentinischen Superclásico. Ganz Argentinien fiebert dem Duell mit Hochspannung entgegen.

River Plate und die Boca Juniors, die beiden Erzrivalen aus Buenos Aires, kämpfen erstmals im Direktduell um die wichtigste Trophäe im südamerikanischen Klubfussball. Das Hinspiel findet heute Samstag (21:00 Uhr MEZ) im La Bombonera statt, der Heimstätte der Boca Juniors. Die Entscheidung fällt am 24. November im Estadio Monumental.

Im Rahmen der Copa Libertadores trafen die beiden Erzrivalen letztmals 2015 aufeinander, damals setzte sich River Plate in den Viertelfinals auf dem Weg zu seinem dritten und bisher letzten Titelgewinn durch. Die Boca Juniors streben ihren siebten Titel an, den ersten seit 2007, womit sie mit Rekordsieger Independiente Buenos Aires, einem weiteren Stadtrivalen, gleichziehen würden.

Kardiologen warnen vor erhöhtem Herzschlagrisiko

Neutrale Beobachter freuen sich auf dieses Duell, man spricht auch von der «Mutter aller Endspiele». Doch für Fans und Spieler der beiden verhassten Klubs geht es um enorm viel. Eine Aussage von Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri, früher langjähriger Bocca-Klubboss, sagt alles über die Bedeutung dieses Spiels: «Wer verliert, braucht 20 Jahre, um sich davon zu erholen.» Macri ruft deshalb zu Frieden zwischen den verfeindeten Fangruppen auf.

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Die Polizei hat sich schon Stunden vor dem Spiel in Stellung gebracht.Bild: Keystone

Das Spiel war in Rekordzeit ausverkauft, der Schwarzmarkt floriert. Teils werden Tickets zu 5000 Euro gehandelt. Wer sich das nicht leisten kann, der hat immer noch die Möglichkeit das Spiel im TV oder im Radio zu verfolgen. Um die Nerven zu schonen, gibt es sogar eine spezielle Radioübertragung, bei der der Kommentator mit ruhiger Stimme sprechen wird und im Hintergrund Entspannungsmusik abgespielt wird. Vielleicht nicht die schlechteste Idee, hat doch die argentinische Kardiologenvereinigung vor erhöhtem Herzschlagrisiko gewarnt. Verrückt!

Das grosse Hochzeits-Dilemma eines Boca-Fans

Verrückt ist auch Boca-Fan José Acosta. Der 30-Jährige heiratet ausgerechnet am 24. November, dem Tag des Rückspiels, dann, wenn die Entscheidung fällt. Gegenüber dem Fussballmagazin «Olé» sagte er: «Als ich erfahren hatte, dass der Final am 24. November stattfinden würde, wollte ich die Hochzeit verschieben, wollte ich sterben.» Seine Hochzeit findet eigentlich im Anschluss an das Spiel statt, trotzdem macht er sich Sorgen: «Ich weiss nicht, ob ich rechtzeitig in der Kirche bin, wenn sich der Schlusspfiff hinauszögert. Man kann den Priester nicht warten lassen. Es ist verrückt. Ich habe allen gesagt, wenn wir die Copa gewinnen, wartet nicht auf mich.»

Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass bei diesem Spiel ordentlich die Fetzen fliegen können – auf den Zuschauerrängen, in den Strassen von Buenos Aires, aber auch auf dem Rasen. Doch auf dem Platz ist Vorsicht geboten, denn zehn Spieler sind im Falle einer gelben Karte für das Rückspiel gesperrt: Pablo Pérez, Nahitan Nández, Cristian Pavón und Lucas Olaza bei Boca sowie Jonatan Maidana, Javier Pinola, Enzo Pérez, Gonzalo Martínez, Rafael Santos Borré und Lucas Pratto bei River. Ebenfalls gut zu wissen: Im Finale der Copa Libertadores findet die Auswärttorregel keine Anwendung.